ANSICHTEN EINES TROUBADOURS, Woche 1: „Der Zirkus ist in der Stadt“, Tag 1.

Guten Morgen und Happy Halloween, Schlafmütze! Gut siehst du heute aus. Wie hat dich der Wochenstart begrüßt?
Ich meine mich zu erinnern (aus der Zeit, als ich noch halbwegs real war), dass der Montag als der mit Abstand Grausamste aller Wochentage gehandhabt wurde. Dienstag war der böse Erzbischof, die linke Hand des Montags sozusagen, der vielleicht nicht ganz so boshaft agierte, aber dennoch zu den übelsten Quälgeistern gehörte.

Aber ich kann mich auch irren, es ist lange her, dass ich irgendwo angestellt war und nicht von Zuhause aus „gearbeitet“ habe. Das war in der Zeit, bevor ich durch den Central Park flanierte und hoffnungsvoll die Bäume musterte, ob denn nicht der eine oder andere Dollarbatzen an ihren Ästen wachse.

Und nein. Bis jetzt habe ich noch keinen Dollar-Baum aufgefunden.

Hat sich die Wochentag-Situation gebessert? Johnny an Erde. Bitte um Auskunft.

Ich mein, ganz ehrlich: Wer hat die Wochentage erfunden? Und warum sind es ausgerechnet sieben Wochentage? Kann es nicht einfach einen Zweitagesrhythmus geben? Zum Beispiel „Yag“ und „Luf“. Einen Tag arbeiten, einen Tag frei.

Ich mein’s ernst, darüber mache ich mir seit Jahren schon Gedanken. Wer hat erfunden, dass es sieben Tage und zweiundfünfzig Wochen gibt und noch Wichtiger: Wer hat beschlossen, dass das die Wahrheit ist?

Ich hätte mich nicht auf diesen Deal eingelassen, wenn ich ehrlich bin. Und das sage ich jetzt nicht, weil ich mich für einen ach so coolen Freigeist halte. Alles andere als das.

Soll ich dir verraten, wie ich die Woche wahrnehme? Ich sehe Eisenstangen. Ein Konstrukt, das fünf Zellen beinhaltet und einen hell beleuchteten Garten, den man besuchen darf, nachdem man jeweils eine Nacht in einer der fünf Zellen verbracht hat. Der Garten jedoch befindet sich innerhalb einer Glaskuppel, die nicht erkannt werden darf. Diese Tarnung zu erkennen, bedeutet, bestraft zu werden. Die Verhüllung zu durchschauen, bedeutet zurück in die Zelle befördert zu werden und hart, sehr hart bestraft zu werden.

Ich bekomme Angst, während ich das hier schreibe.

Ein anderes Bild, das ich für die Woche entwickelt habe, ist das siebenmäulige Scheusal, dessen Atem nach Verwesung riecht und dessen klitzekleinen Augen nach Äonen in der Dunkelheit die Fähigkeit zu Sehen verloren haben.

Ja. Tut mir leid, falls das zu viel für einen Montagmorgen ist, ich wollte dir keine Dämonen in den Kopf setzen. Andererseits: Es ist Halloween!

Happy Halloween! Hier in Manhattan geht der Geifer bereits seit Freitagabend. Das ist ein Foto von letzter Nacht. Jazz, Drinks und die unerschütterliche Macht der Kreditkarte!

Fotoquelle: Instagram – Jannis Raptis

Aber wäre ein Zweitagessystem mit „Yag“ und „Luf“ besser? Im Endeffekt wäre es dasselbe in Grün, aber – aber! – ich denke, es wäre schwieriger in einen Trott zu verfallen. Es wäre irgendwie natürlicher. Arbeiten, Ausruhen, Arbeiten, Ausruhen. Es könnte ja, nach wie vor die Institution namens Datum geben, damit man sich einen Termin ausmacht.

Außerdem ist sieben eine hässliche Zahl.

Was meinst du? Glaubst du, dass ein Zweitagesrhythmus der Menschheit einen Gefallen tun, oder sie verschlechtern würde? Empfindest du die Siebentageswoche, ebenso wie ich, als ein Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt? Findest du, man sollte die Tage überhaupt benennen? Verliert die Individualität eines jeden Tages nicht ihre Bedeutung, sobald er einen Namen und eine Zu- und Anordnung bekommt?

Wenn du die Institution namens „Woche“ bildhaft darstellen müsstest, wie würde dieses Bildnis aussehen?

Ich meine es ernst, mich würde interessieren, was du dazu sagst.

Heute hast du aber wahrscheinlich frei, oder? Ich mein, es ist Halloween! Geisternebel leckt an den Säulen, Dampf steigt aus den Gullys und hinkende Untote verlassen ihre Häuser, nachdem sie sich an der brandneuen Staffel 7 von „The Walking Dead“ gelabt haben.

*Seufzen mit nach Jazzclub duftender Whisky-Fahne*

Jetzt aber mal ehrlich: Du und ich, wir wissen beide, dass es nicht möglich ist, aus dem oben genannten System herauszubrechen, ohne automatisch als „Aussteiger“ zu gelten. Ich für mein Teil möchte kein Aussteiger sein, da ich es liebe, innerhalb einer Gesellschaft zu leben und sie zu beobachten. Aber ich schätze, es ist keine üble Idee, die Grundmuster, mit denen wir bereits im Mutterleib in Kontakt treten, zu hinterfragen. Eines davon ist eben die Woche mit ihren sieben Tagen.

Wenn wir extrapolierten, würden wir nun über den Begriff Zeit sprechen. Aber das ist mir persönlich zu viel für einen Montag. Wir haben noch reichlich Zeit, ne?

Also dann! Danke für’s Mitmachen und bitte beantworte doch die eine oder andere Frage, da mich deine Meinung wirklich interessiert.

Einfach direkt unter dem Beitrag auf Facebook oder Twitter oder gar auf der Homepage kommentieren! (Ich empfehle allerdings Facebook, da sich diese Plattform hervorragend für ein Gruppengespräch eignet.)

All righty!

Gib’s dir heute! Tu es für mich! Wirf dich in Schale, ob es nun Sexy Dämonenfürstin, Spießiger Vampirlord, Faulender Zombie, Versautes Kätzchen, Verspieltes Eichhörnchen, Glatzköpfiger Foltermeister, Gehörnter Erzteufel, Listiger Quälgeist oder Drolliger Spinnenfürst ist: Tu es. Und tu es gut.

Und nun kommt die sogenannte Call To Action: Poste dein gruseligstes/versautestes/süßestes Halloween-Pic unter diesem Beitrag! Lass uns das Internet zum Schlottern bringen! Möge dieses digitale Konstrukt sich vor Furcht und Erregung anpinkeln!

Auf, auf!

Viel Spaß heute Nacht!


Ausgeh-Tipp:
Wien -> Volksgarten: Halloween Special

Gourmet-Tipp: Stierblut in Sauerrahmsauce mit einer Prise Geifer

Film-Tipp: „The Walking Dead” – Season 7

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2016, http://www.jannisraptis.com)

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