Ansichten eines Troubadours, Woche 1: “Der Zirkus ist in der Stadt”, Tag 3.

Servus!

Nun, da die Absurdität des Halloween-Wahnsinns endlich ihr Ende genommen hat, scheint wieder die Sonne in der Upper East Side und ich gönn mir einen großen Pappbecher Kaffee! Pur, natürlich. Es ist das Gleiche wie mit dem Whisky. Wieso zum Teufel sollte man einen Singlemalt, der in der Bar ohnehin zwanzig Dollar das Glas kostet, mit Eis – hart gewordenem Wasser! – strecken? Ich mein `tschuldigung, das ist doch irgendwas!

CTA: Kommentier mit „Aye!“, wenn du meiner Meinung bist und mit „Luf!“, wenn du das anders siehst. Ich wette die „Ayes“ werden überwiegen…

Ich bin zur Abwechslung mal richtig gut ausgeschlafen und flaniere mit der Überzeugung, das Richtige zu tun, durch den in ein Kaleidoskop aus bunten Farben getauchten, herbstlichen Central Park. Ein Stück Natur mitten im Moloch. Ein Fleck Ruhe im Trubel der Metropole.

Weißt du, was ich verblüffend finde?

Die Eichhörnchen hier. Niemals zuvor sind mir so verdammt freche Eichhörnchen begegnet! Das Wort „scheu“ scheint denen ein Fremdbegriff zu sein. Du siehst es auf dem Foto.

Und es sind so unfassbar viele! Ich liebe es, sie aus der Nähe zu beobachten. Zuzusehen, wie sie mit ihren winzigen Händchen die Eicheln ausgraben und hochheben und dann an ihnen knabbern, während ihre zuckersüßen Bäckchen sich aufblähen *Emoji mit Herzaugen*

Ich pack’s nicht! Gibt es süßere Kreaturen? Diese Knopfaugen! Diese zarten Finger! Hach, ich meine, Gott hatte einen guten Tag, als er die Eichhörnchen schuf.

Fakt zum Tag: Am 2. November 1931 wird „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth in Berlin uraufgeführt.

Hach, ja… Der Wienerwald. Wenn es etwas gibt, das ich an Wien besonders vermisse, dann ist das natürlich der Wienerwald. Mann, was bin ich dort nicht spazieren gewesen! Mit zwölf, als ich frisch in Wien war, mit fünfzehn, als ich dachte, ich wäre ein Hobbit, mit sechzehn, als ich mein erstes Date hatte, mit siebzehn, als ich zum ersten Mal psychoaktive Substanzen einnahm, mit achtzehn, als der Chakra-Wahn mich dawischte. Und all die Jahre danach ebenfalls.

Dort, wo Sieveringer Straße und Agnesgasse einander kreuzen, auf dem Hügel, führt ein Weg am Haus der Zwillinge und an der weißen Villa des Barons vorbei, und in den Wald hinein… Magisch oder? Wenn ich das nächste Mal in Wien bin, nehme ich dich gerne mit!

Eine andere Stelle, die mich sehr verzaubert, ist über die Karthäuserstraße, ebenfalls im Neunzehnten, zu erreichen. Zuerst kommt… die Treppe. *Mysteriös dreinblickend und dabei mit der Hand über den eigenen Schnurrbart fahrend* Rauf, rauf, rauf, immer schön die Treppe rauf! Oben angekommen, vorbei an den Prachtbauten der Döblinger Elite, den Hügel steil bergauf und hinein in die Waldidylle. Und nach etwa einer halben Meile kommt sie…

Die Bellevuewiese.

Oh, wie ich diesen Ort liebe! Wie viele laue Sommernächte ich in guter Gesellschaft oder allein auf die Stadt herabgeblickt habe… Wien, wie es in seinem Kessel brodelt. Ein schöner Anblick. Falls du noch nicht dort gewesen bist, musst du das unbedingt nachholen.

Ja. Heute bin ich nostalgisch. Ich vermisse den Neunzehnten. Gibt es einen sichereren Ort? Einen Ort, der einen höheren Lebensstandard verspricht?

Ich wage das zu bezweifeln.

Und dennoch… Wenn du die Stimme in deinem Kopf hörst, den Drang in deinem Busen spürst, dann gibt es keine größere Sünde, als eben jene zu ignorieren. Wenn das Meer dich ruft, die Sirenen deinen Namen singen und selbst die Sterne dir den Weg weisen… Dann HAST du, verdammt nochmal, diesem Ruf zu folgen. Und niemand, niemand auf der ganzen Welt, kann dich daran hindern oder dich davon abhalten. DU bestimmst DEINE Realität, denn DU bist frei.

Bequemlichkeit und Sicherheit, ja, das sind zweifelsohne zwei Begriffe, die ich an dieser Stelle erwähnen sollte. Die beiden sind es nämlich, die ach so viel Gutes und so viel Schlechtes zu bewirken vermögen. Aber mal ehrlich! Lohnt es sich derentwegen dir an deinem Lebensabend folgende Frage zu stellen: Was wäre gewesen, wenn…?

Ich sag’s dir ehrlich. Lieber möchte ich in Schneckenschleim ertrinken oder von einem Schildkrötenpanzer erschlagen werden, als mir jemals in meinem Leben diese Frage zu stellen.

Heimweh? Natürlich. Aber wir haben das Glück in einem Zeitalter zu leben, in dem es die Möglichkeit gibt, sehr schnell, sehr große Strecken zurückzulegen. Nicht wahr? Warum also zögern? Es KANN nichts passieren.

Und hier, am anderen Ende des Planeten sitze ich nun, schreibe Lieder, schreibe an meinem Buch und blogge. Es fühlt sich eigentlich ziemlich gut an.

Gestern habe ich bereits ein wenig über das Thema „Einsamkeit“ gesprochen. Ich für mein Teil, begreife nicht, weshalb Einsamkeit oftmals negativ konnotiert wird. Es gibt doch kaum etwas Geileres! Alleine durch die Weiten zu preschen, alleine Schiff zu fahren, alleine Flugzeug zu fliegen, alleine durch die Bars zu ziehen und alkoholische Beveragen zu konsumieren! Es gibt nur dich und deine Innenwelt. Und dabei wirst du zu einem Besseren. Das – das! – ist wertvoll.

Was bedeutet „Heimat“? Handelt es sich dabei tatsächlich um ein topographisches Etwas? Mag sein, ich weiß es nicht. Zweifelsohne empfinde ich das Gefühl von „Heimat“, wenn ich meine Familie sehe, meine engsten Freunde und den neunzehnten Wiener Gemeindebezirk oder die Strände von Halkidiki.

Aber was meine Heimat in Wirklichkeit ist, so denke ich, ist meine Kunst. Meine Lieder beispielsweise sind meine Heimat. Und es macht keinen Unterschied, ob ich sie in Kambodscha, in Arizona oder am Nordpol singe. In ihnen fließen meine Seele und meine Geschichte. In ihnen fließt die Essenz meines Lebens.

Wenn ich dich jetzt ganz unverschämt fragte: Was ist deine Heimat? Wie würdest du reagieren, OHNE allzu lange nachzudenken. Was bedeutet für dich Zuhause? Deine Familie? Davon gehe ich aus. Dein trautes Heim? Vollkommen verständlich. Aber was noch? Was ist es, das du mit dir trägst, was dich zu dem macht, der du bist, und was niemand – kein Dämon und kein Engel dieser Welt – dir wegnehmen kann?

Was auch immer das ist, oh Bruder/Schwester, das definiert, wer du bist. Das macht dich unbesiegbar! Das macht dich UNSTERBLICH!

Meine Augen leuchten gerade und mein Schnurrbart vibriert. Finde es! Finde den Wurm aus Licht, finde den Diamanten der Wahrheit, tief, sehr tief in deinem Inneren! Verschmelze mit der Quelle deiner Selbst und kanalisiere deine unerschöpflichen Kräfte, um dieser Welt Gutes zu tun.

Ich glaube an dich!

Es führt kein Weg an dir vorbei. *Zwinker*

In diesem Sinne, hier ein kurzer Einblick in meine Übungs-Sessions! Heute Nachmittag vor mich hin improvisierend.

 

Danke fürs Mitmachen, Teuerste/Teuerster! Sag mir doch deine Gedanken zu dem (zugegeben äußerst komplexen) Thema „Heimweh“ vs. „Fernweh“! Es würde mich sehr interessieren, was deine Ansicht dazu ist. Ich weiß, das alles sind keine seichten Themen, aber bitte fühl dich frei, den morgigen Blog-Post zu lesen. Es wird gottseidank wieder witzig werden!

Nun denn! Möge der Mittwoch dich sanft in seinen Busen betten!

Einen schönen, produktiven Tag wünsche ich dir!

Ich bin übrigens seit genau zwei Monaten Nicht-Raucher *Stolzes Emoji*

You can DO it!

Buch-Tipp: „Macht’s gut, ihr Trottel“ von Christiane Hagen

Film-Tipp: Der Herr der Ringe

Musik-Tipp: „Perasma“ von Sokratis Malamas

Ausgeh-Tipp: Ganz weit fort

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2016, www.jannisraptis.com)

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