Ansichten eines Troubadours, Woche 13: „Die Frau des Intendanten“, Tag 3.

Grüß Gott, mein lieber Leser und meine zuckersüße Leserin!

Grandios siehst du heute aus! Es tut gut, dich zu sehen.

Wie geht’s denn so? Alles in Ordnung?

Ich habe letzte Nacht von Barden, Rhapsoden, Troubadouren und Minnesängern geträumt. Ich erwachte mit diesem ihren Spirit, der unsterblich ist. Er hat die Zeit überdauert und ich trage ihn weiter.

Dies ist meine Pflicht und mein einzig‘ Bestreben.

Ein weiteres Mal wird mir klar, dass es doch nur einen einzigen Weg zum Glück gibt. Zumindest ist das meine Meinung. Ich freue mich, wenn mich jemand eines Besseren belehrt.

Ich bin nämlich der Ansicht, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat glücklich zu werden, wenn er seinen natürlichen Raum findet, es hinkriegt, dort zu bleiben und dort zu schaffen.

Ich denke auch, dass es weniger Kriege und Gewaltausbrüche gäbe, wenn dieses (zugegeben utopische) Model einer Gesellschaft Realität werden würde.

Ich sag’s dir ehrlich, liebe Leserin, ich halte es nicht mehr lange aus, das Scheitern einer Spezies mit anzusehen, zu der ich (auf dem Papier) dazugehöre.

Ich möchte nur noch kotzen.

Verliere ich den Verstand? Ich fühle mich so weit fort von Zuhause wie nie zuvor.

Doch es gibt diesen einen Anhaltspunkt, der mich vor dem Wahnsinn bewahrt, so denke ich. Ich habe meinen Raum gefunden. Ich lasse meine Lieder in diesem Augenblick wahr werden. Ich singe meine Texte, um nicht zu ersticken und leblos in mich einzusacken.

Es gibt keine andere „Realität“ für mich. Keinen anderen Anker.

Ich träume von einem Planeten, auf dem die Menschen ihrem Pfad zu folgen in der Lage sind, ohne dabei zu verhungern oder von ihren Brüdern erschlagen zu werden. Einem Planeten, auf dem Demut, Achtsamkeit und Respekt so selbstverständlich sind, dass diese drei Wörter nicht im Wortschatz existieren. Einem Planeten, auf dem Beziehungen funktionieren und nicht irgendwelchen Mustern und Trends unterliegen. Einem Planeten, auf dem es keine Krankheiten gibt, kein Elend und wo selbst der Tod gefeiert wird als das Übergangsritual, das er tatsächlich ist.

Wie schön wäre es nur? Ich habe Tränen in den Augen, wenn ich daran denke.

Ist es möglich, dass manche von uns schon ein Mal dort gewesen sind? Dass wir das Potenzial unserer Spezies kurz gesehen, einen Abend lang davon gekostet haben, bevor wir in dieses Zeitalter der Dunkelheit hineinkatapultiert wurden?

Der Traum des verlorenen Paradieses ist verkommen zu einer nebligen Erinnerung, die mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

Dunkelheit überall und immer!

Blind tasten die Elenden nach Halt, ihre Gesichter kreidebleich, ihre Augen tot. Vereinzelte Haarsträhnen sprießen aus ihren Schädeln, die Zähne sind schwarz, ebenso wie das Herz, das nur mehr unregelmäßig hinter ihren Rippen schlägt.

Die Welt bricht seit Äonen auseinander.

War/Ist das Ganze möglicherweise nur ein missglückter Testlauf?

Eine Prüfung für die Wenigen und Guten, bevor sie in die nächste Dimension geschickt werden?

Eine Betaversion, die ein paar Jahrtausende dauert und schlussendlich ein paar Seelen ausspucken wird, die bereit sind, weiterzumachen?

Anders kann ich mir das nicht erklären.

Wenn es eine kosmische Leinwand gäbe, auf der man alle Menschen sehen könnte, die jemals gesteinigt, gefoltert, enthauptet, ausgeweidet, gekreuzigt, vergiftet, erschlagen, abgestochen, erschossen oder gepfählt worden sind, und wenn es keine Fernbedienung gäbe, um umzuschalten, wie würdest du dich fühlen?

Kain erschlug seinen Bruder.

Da beginnt das alles ja schon. Es gibt keine Gnade. Keine Hoffnung. Kein Licht. Diese Welt ist ein verlorener, von allen Göttern verlassener Ort und sie wird von Bestien bevölkert.

Und das, was mich am Traurigsten stimmt: Es sind Bestien, die nicht als Solche geboren werden. Keineswegs, oh mein geliebter Schneider!

Beide Seiten sind vorhanden. Beide sind Teil der menschlichen Natur. Und das ist vollkommen okay so.

Die Frage ist: Wofür entscheiden wir uns?

Für das Licht oder für die Dunkelheit?

Irgendwo, tief in meinem verbitterten Inneren, pocht noch der schwache Puls einer sterbenden Hoffnung. Sie ist noch nicht verloren.

Ich glaube an das Gute im Menschen.

Ich glaube daran, dass es auch auf dieser Welt möglich ist, in Harmonie und Schönheit fortzubestehen. Und wenn es nur kurz ist.

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)

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