Ansichten eines Troubadours, Woche 21: „Hebammen, Scotch und eine Prise Tao“

Hallo und herzlich willkommen zurück zu den Ansichten eines Troubadours!

Meine unangekündigte, einwöchige Blogpause sei mir verziehen. Nach 20 Wochen des täglichen Bloggens fiel mir jedoch auf, dass ich dringend eine Pause benötigte. Nun weht ein neuer Wind in Oberdöbling und ich habe beschlossen, aus dem täglichen Blog einen Wöchentlichen zu machen.

Einen wunderschönen, lichtvollen Tag, wünsche ich dir! Auch hoffe ich, dass dein Wochenstart sanft und ohne allzu große Komplikationen erfolgt ist. Wie geht es dir? Wir haben uns ja jetzt länger nicht mehr gesehen! *zwinker*

Verläuft alles nach Plan oder eher im Sand? Du weißt ja, die Grenzen sind oftmals fließend.

Ich selber gebe mein Bestes. Ich gehe fast jeden zweiten Tag zum Sport, bin nach wie vor strenger Nichtraucher (seit über einem halben Jahr jetzt! *Stolz-in-die-Kamera-blickend*) und schlage mich mit Agenturen und Labels herum, in der Hoffnung, nicht ausgenutzt zu werden, wie der nette Kerl, der ich leider bin.

Die Abwege eines Independent Artist, der einfach nicht gesellschaftstauglich und regimekonform ist und der nicht in eine Millionärsfamilie geboren wurde. Das Übliche eben!

Passend zu diesem Thema, habe ich gerade zufällig einen Artikel aus dem Blog „The Earth Child“ gelesen. Dabei ging es um einen Mann, der einfach alles aufgegeben hat und mit seinem Fahrrad durch die Welt fährt und sich von wilden Beeren ernährt.

Er sieht verdammt glücklich aus.

Hier der Link:

http://www.theearthchild.co.za/man-calls-work-unnatural-goes-on-permanent-vacation/

Ganz ehrlich: Wäre ich nicht so besessen von Karriere und Erfolg mit meiner Arbeit und würde ich ungefähr 38,7% mehr Eier haben, ich denke, ich würde dasselbe machen.

Dieses Leben sieht für mich – Aussteiger hin oder her – nach einem Gesunden und Glücklichen aus.

Das Problem in meinem Fall ist (neben dem oben Genannten), dass ich Angst vor wilden Tieren und Schlechtwetter habe. Und, dass ich gerne auf weichen Federbetten schlafe. Und, dass ich nicht gerne ungewaschen bin. Und, dass meine Haut ohne Feuchtigkeitscreme trocken wird. Und, dass…

Ok.

Sehen wir’s ein, Herr Raptis.

Wir sind nicht cool genug für dieses Aussteigerleben. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit einer Gesellschaft herumzuschlagen, die genauso wenig die Unsere ist.

Great Fun!

Gefangen in einer absurden, tristen Zwischenwelt, die einzig von Musik, Schönheit in jeder Form, Scotch und Schlaf gerettet wird.

Aber he: Der Frühling naht! Die Sonne scheint und schon sieht die Welt wieder besser aus!

Ist das nicht verblüffend? Dass ein paar Lichteffekte ausreichen, sogar Wien die Tristesse seiner Gitterstäbe zu rauben?

Jedes Jahr aufs Neue wird mir bewusst, dass ich – und ich rede jetzt ganz persönlich zu dir – es einfach nicht schaffe, in einer Welt zu leben, auf der keine Sonne scheint.

Ich sterbe.

Die letzten zwei (ungeplanten) Monate in Wien haben mich zerstückelt. Ich konnte nicht schlafen, nicht atmen, nicht schaffen. Ich war gestrandet, weil sich die Dinge anders entwickelten, als ich es erhofft hatte und wie es aussieht, werde ich noch ein wenig länger in Wien bleiben, als beabsichtigt.

Wenigstens scheint nun jedoch die Sonne.

Wie hab ich es neulich ausgedrückt? Hoher Lebensstandard im Austausch von Lebensfreude. Ein gefährlicher Pakt!

Aber wie gesagt: Das alles ist nur meine subjektive Meinung und nichts liegt mir ferner, als mit diesem Blog, irgendwen von irgendeiner Sache überzeugen zu wollen.

Apropos überzeugen: Bitte hör dir mein Album an, sobald es draußen ist! *lacht*

Du wirst es natürlich kaufen können und falls du pleite bist, kannst du es sicher auch illegal downloaden! Aber falls es zum Download kommt, dann bitte nur in guter Audioqualität! *lacht*

Die Aufnahmen neigen sich dem Ende, vorgestern sang ich den Song „Das Kerindai“ ein.

Hier ein Schnappschuss vom Studio, schau wie gut ich im Posen bin:

Session 15. Let's sing! 🎶🎤🎧🎼 #album #recording #studio #singersongwriter #medieval #pop

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Letzten Samstag sangen ein paar Burschen auch die männlichen Backing Vocals ein und wir hatten unfassbar viel Spaß dabei! Guckst du:

The black #leatherjacket gang! 🎧🤘🎤💋🎰

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Musikmachen ist immer eine Lösung. Egal, welches Problem einen behelligt. Und da halte ich meine wohlgeformte Hand ins Feuer.

Übrigens, wenn wir schon am Werbungmachen sind (*Äffchen-verdeckt-seine-Augen-Emoji*) hier noch ein Link zur brandneuen Single meines Kumpels Viko Sabotage, wo ich die E-Gitarre eingespielt habe. In der Videobeschreibung befinden sich die Links zu Amazon und Apple Music, sowie zu seiner Webseite.

 

Ein vielversprechender Hiphop-Rocker-Songwriter mit bemerkenswerten Texten!

Hörst du sie nicht raus, die Quintessenz? Alles ist Musik, nichts getrennt…

Ja.

Musik.

Musik, Musik und wieder Musik. Wir haben so viel davon in den unbegrenzten Datenbanken des Internets vor uns liegen, ein Großteil davon absoluter Müll für geistig Arme (nichts für Ungut), und vergessen dabei, wie groß die Heilkräfte dieses fragilen Mysteriums eigentlich sind.

Mit Musik können Krankheiten geheilt werden.

Erinnerst du dich noch an die alten Zeiten? Als wir noch Forscher waren und wochenlang nach einer Schallplatte, Kassette oder CD gesucht haben? Als wir die Platte stundenlang rauf und runter hörten und versuchten, mitzuspielen oder einfach nur laut dazu sangen?

Jetzt liegt ALLES vor uns und der Prozess des Suchens und Forschens existiert kaum mehr.

Aber gut. Ich will nicht SCHON wieder schwarzsehen und jammern.

Es tut mir fast schon leid, dass die letzten Blogposts so schwer depressiv waren, aber ich kann das einfach nicht ändern. Ausnahmslos jedes Thema führt unweigerlich zu Haarstäuben und unfreiwilligem Geifern. *lächelt-milde-und-nippt-an-seinem-Tee*

Doch das Leben ist einfach zu kurz, um sich ständig schlecht fühlen zu müssen. Ich seh’s ned ein, wieso’s mir dauernd schlecht gehen muss.

Ich bin es doch, der ständig Achtsamkeit, Demut und Respekt predigt. Selber bin ich aber scheinbar zu blind, um zu erkennen, dass genau diese drei Punkte, die Grundlage eines erfüllten Lebens sind.

Dankbarkeit für das, was wir bereits besitzen, legt den Grundbaustein eines gesunden Tagesablaufes. (Ebenso wie ein Big Kahuna Burger und ein Sprite der Grundbaustein eines nahrhaften Frühstücks sind.)

Ernsthaft, ich hatte letztes Wochenende ein Klick in meinem Gehirn, als ich mich mit meiner Frau an der Bar betrank und mir einfach mal erlaubte, glücklich zu sein. Mir erlaubte, loszulassen und mich im Glanz ihrer grenzenlosen Gnade und Güte zu sonnen.

Verstehst du, was ich meine? Vielleicht kennst du sie auch, diese Dämonen. Diese Stimmen, die dir ständig durch den Schädel geistern und versuchen, ALLES kaputt zu machen. Stimmen, die aus einem absurden Sich-Sehnen nach der Vergangenheit entstehen, Stimmen, die von einem Geist genährt werden, der auf komplett perverse Art und Weise drauf steht, sich in seinem Selbstmitleid und seiner Unentschlossenheit selbst die Bälle zu lecken.

Es ist eine sehr interessante Beobachtung und ich behaupte, dass ein Großteil der Menschen, so fern er ehrlich zu sich selbst ist, genau weiß, wovon ich spreche.

Aber wir sind nun mal Menschen. Und, um Meister Elrond zu zitieren: Menschen sind schwach.

Die Schatten der Vergangenheit mögen nichts als quälende Geister mit dämonischen Grinsefratzen sein, aber tatsächlich fühlen sie sich irgendwie vertraut an. Man ist bereits in ihren Armen gelegen, man kennt sie, man weiß, wie ihre bitteren Küsse schmecken.

Und genauso, wie es mir persönlich schwer fällt, die Komfortzone der Stadt Wien mit ihrem höchsten Lebensstandard zu verlassen, genauso fällt es mir auch schwer, die Geister der Vergangenheit loszulassen. Es ist eine Metapher!

Wir Menschen fürchten und lieben die Vergangenheit gleichzeitig, denke ich. Warum das so ist, warum es uns so schwer fällt, die Schale des überreifen Eis zu zerbrechen und endlich zu schlüpfen, habe ich noch nicht verstanden.

Fakt ist: Entwicklung tut weh.

Doch wir dürfen nicht vergessen: Die Götter, das Schicksal, der Zufall oder das Fliegende Spaghettimonster schicken uns Hebammen.

Deshalb verwende ich gerne den – zugegeben unromantischen Begriff – Lebensabschnittspartnerschaft.

Beziehungen mit einem Eternalitätsgedanken einzugehen, führen in den meisten Fällen zu geistiger Verwirrung und innerem Sterben. Wenn man allerdings jeden Schritt, den man geht, mit dem Gedanken tut, dass ausnahmslos alles dem Endlichen erliegt, dass jeder dieser Schritte tatsächlich nur ein Abschnitt ist und dass die Welt sich im stetigen Wandel befindet, dann – so glaube ich – wird das Ganze ein wenig Klarer.

Yin und Yang.

Der Lauf des Wassers.

Und genau das spürte ich in dem Augenblick, als ich neben der Jungen saß und an meinem Whisky nippte. Ich spürte etwas, über das zu schreiben eigentlich absurd ist.

Und dennoch versuche ich es. Irgendwie ist es mir wichtig, das zu „predigen“, wobei das natürlich vollkommener Unsinn ist.

Denn dieses Gefühl muss von selbst kommen. Es kommt, oder es kommt nicht. Niemand kann das Tao erklären. Aber vielleicht bin ich eine Hebamme für den einen oder anderen Leser, ebenso, wie meine Frau eine Hebamme für mich war, als wir an der Bar des „Hemingways“ in Linz saßen und alkoholische Getränke einnahmen.

 

Was ich hier schreibe, sind nur meine Ansichten. Weder versuche ich irgendwen zu überzeugen, noch möchte ich vor mich hin philosophieren.

Ich vergleiche nur Beobachtungen, Erfahrungen und Gedanken, in der Hoffnung, mit dem Tao zu gehen und mich nicht dagegen zu stellen.

Es läuft einfach so Vieles bereits in seinen Grundkonstrukten falsch, dass wir uns nicht zu wundern brauchen, wieso die Welt vor die Hunde geht. Die Natur des Menschen lässt sich nicht so einfach erklären und erst recht lässt sie sich nicht in geordnete Bahnen werfen.

Morgens aufstehen, in die Schule gehen, Abitur machen, Studieren, Heiraten, Kinder kriegen, abends schlafen gehen.

Ist es das?

Ich weiß es nicht…

Verfolgt von Vergangenheit und Zukunft, fürchte ich, dass wir den Moment komplett verpassen. Gewohnheit und Vorstellungen töten uns. Lebensabschnitte, vorübergehende Tätigkeiten und Lieben werden zu ernst genommen und jeder plappert nach, was irgendwer mal gesagt hat, der es wiederum von irgendwem gehört hat und im Endeffekt weiß niemand, woher diese Gebote, die wir „Leben in der Gesellschaft auf dem Planeten Erde“ nennen, eigentlich stammen.

Mir reicht ein Blick auf die Geschehnisse der Welt, um zu wissen: Irgendwas läuft da mächtig schief.

Und mein ganzes Gelaber führt schlussendlich nur zu Einem: Wir müssen mit bzw. bei uns selbst beginnen.

Wenn jeder Mensch auf der Welt seine Natur – die Natur seines Körpers und seines Geistes – akzeptieren würde, könnten wir beginnen, über ein gelungenes Zusammenleben nachzudenken.

Ich zum Beispiel war überglücklich und unfassbar frei, als ich irgendwann im Oktober, als heftige Alpträume von meiner Mutter, Drachen und Schatten mich plagten, beschloss, meine Natur zu akzeptieren. Ich akzeptierte, dass die „böse“ Seite da ist. Dass ich niemals heilig und dass kein Mensch jemals heilig werden würde. Dass das Potential zum Mörder, Lügner und Schreckensherrscher gegeben ist. Gleichzeitig aber, dass ich die grenzenlose Gunst habe, darüber zu urteilen, was richtig und was falsch ist.

Ich kann fühlen, aber ich kann auch denken.

Ich kann denken, aber ich kann auch fühlen.

Und, um langsam zum Ende zu kommen: Ich denke, dass das der springende Punkt ist.

Die Aufgabe ist es, eine Brücke zwischen Fühlen und Denken zu schlagen und einen meditativen Alltag zu leben. Darüber habe ich bereits in den Anfängen der „Ansichten eines Troubadours“ geschrieben und da der heutige Text bereits so lang ist, werde ich an dieser Stelle innehalten.

Nächsten Montag also möchte ich wieder über die Rückkehr zur Unschuld, das Fühlen und auch ein wenig über das Denken sprechen.

Das hier sind nur meine Ansichten, die wiederum auf Beobachtungen basieren.

Denn ich bin Empirist.

Das Denken überlasse ich den Denkern.

Einen wunderschönen Wochenstart, wünsche ich dir.

Leben wir den Moment.

Singen wir jeden Tag.

Auf die Freiheit.

Auf die Black Pearl.

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)

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