Ansichten eines Troubadours, Woche 22: „Auf der Suche nach Jeff“

Grüß Gott und ein herzliches Willkommen an die geliebte Leserschaft!

Einen guten April wünsche ich uns allen. Mein Herz sagt mir, dass dieser Monat gut zu uns sein wird.

Aber alle Angaben meines Herzens sind in der Regel ohne Gewähr. Also vergiss am Besten, was ich gerade sagte.

Nun denn!

Die Sonne scheint, die Bienen summen, Wien erstrahlt im Glanz eines vielversprechenden Frühlings. Ich bin gestern schweigsam, verkatert, aber nicht allzu unglücklich unterwegs gewesen und habe dabei die heilenden Qualitäten des Aprils inhaliert. Die Sonnenstrahlen trafen mich und meine abgenutzte Lederjacke und während ich ruhig vor mich hin atmete, dachte ich mir: Wer einen Winter in Wien erlebt hat, der kann mit Stolz von sich behaupten: „Ich habe überlebt.“

Winter in Wien könnte das Konzept für eine Weltuntergangsserie von HBO sein. Oder für ein kafkaeskes Theaterstück, das im Theater an der Wien uraufgeführt wird. Oder für ein schwer tragisches Klavierkonzert, das so schwierig ist, dass man pro Hand sechs Finger benötigt.

„Winter in Wien“ – eine Tragödie in sieben Stößen.

Ernsthaft jetzt, ich kam mir vor wie Al Pacino in „Frankie & Johnny“, als er vom Knast entlassen wird und durch die Straßen schlendert.

Oder wie Leonardo di Caprio in „The Revenant“, nachdem er wieder halbwegs zu Kräften gekommen ist und durch die Wildnis schlurft.

Kurz: Ich fühlte die endlose Verwüstung, die ein weiterer Winter in Wien in mir hinterlassen hatte.

Weißt du, welche meine größte Angst ist, lieber Leser?

Also neben Mädchen in weißen Nachthemden, Riesenspinnen, Särgen, Tsunamis, dem unwiderruflichen Verlust meiner eigenen Werke und Drachen, die wie meine Mutter klingen und aussehen?

Meine Angst ist es, keinen Ort mehr auf der Weltkarte zu finden, zu dem ich hinreisen kann. Gefangen zu sein in einer winzigen Zelle, die sich Planet Erde nennt und keinen Ort mehr zu bieten hat, wo ich Trost und Rast finden kann.

Davor habe ich Todesangst.

Denk drüber nach. Ich denke, das Gedankenexperiment lohnt sich.

Aber genug davon!

Wenn wir Drama wollen, gehen wir ins Theater!

Wenn wir lachen wollen, gehen wir aber auch ins Theater. Undzwar ins Theater Brett in die Münzwardeingasse, wo die ganze Woche über (außer Dienstag) das Stück „Die Damen vom Hof“ aufgeführt wird. Das Stück ist auf griechisch, aber keine Sorge: Es gibt deutsche Übertitel.

Auch ich spiele eine sehr kleine Rolle und mehrmals die Gitarre in dem Stück. Dabei lerne ich unfassbar viel über das Schauspielern und es ist mir wirklich eine Ehre mit so talentierten Leuten zusammenarbeiten zu dürfen.

Schau vorbei, es wird dich erheitern! Die gestrige Uraufführung war ein großer Erfolg.

Hier ein Paar Fotos vom Set.

 

So viel dazu.

Letzte Woche erwähnte ich, dass ich heute ein wenig über das Fühlen und das Denken sprechen wollte.

Ich wollte darüber sprechen, wie wichtig es ist, wieder zum ursprünglichen Stadium wertfreien Beobachtens zurückzukehren und wie schön das Leben sein kann, wenn man wieder – einem Kind ähnlich – das (Hin)fühlen zulässt und das Denken lediglich als das Werkzeug nutzt, mit dem die Spezies Mensch ausgerüstet wurde, um zu überleben.

Ja, darüber wollte ich sprechen. Ich habe mir sogar den Wecker um 8:30 gestellt, um diesen Blogbeitrag zu verfassen. Da sitze ich nun also auf dem Balkon, trinke meinen morgendlichen Pfefferminztee und genieße die Sonnenstrahlen auf meiner Haut.

Was gibt es auch Schöneres, als einen Morgen im Frühling?

Viel fällt mir persönlich jetzt nicht ein.

Ich fühle also die Sonnenstrahlen, schmecke den Tee und versuche mich in Demut und Dankbarkeit zu üben. Kurz: Ich meditiere.

Und ich meditiere, ohne meine Gelenke zu verdrehen, ohne Mantren aufzusagen, ohne irgendetwas zu visualisieren, ohne mich in der Versenkung zu üben.

Jetzt gerade nicht, nein.

Ich meditiere, weil ich das Denken abdrehe und einfach die Sonnenstrahlen und den Tee genieße. Ich nehme die Welt so wahr, wie mein innerstes Wesen sie wahrnehmen würde, wenn nicht ständig das Denken dazwischenfunken und das Bild trüben würde. Oder: Ich sehe für einige Sekunden die Welt, wie sie ist. Wertfrei, urteilslos, kommentarlos.

Wäre es nicht schön, diesen Zustand zu kultivieren und einen meditativen Tagesablauf zu haben?

Ich mein, ich möchte keineswegs den Moment der Askese herabsetzen. Aber ich denke, noch viel wichtiger ist es, Meditation als den natürlichen Dauerzustand zu sehen, der sie – zumindest meiner Beobachtung und Meinung nach – tatsächlich ist.

Da gibt es keinen Platz für Götter, Heilige oder irgendwelche Gebote. Da gibt es nur das Leben, die Liebe zur Natur, das Verständnis um die Harmonie und den Wandel und die Achtsamkeit.

Wie erreiche ich also diesen Zustand?

Fragte er mit der erhobenen linken Augenbraue des Rhetors und nippte an seinem Tee.

 

Ganz einfach. Indem ich (wieder) erlerne, zu beobachten. Achtsam zu sein. Hundertprozent konzentriert. Ein Kind, das eine Blume pflückt und ihren Duft aufnimmt – dieser Moment, in dem der Duft sein ganzes Sein ausfüllt – das ist Meditation.

Ein Musiker, der selbstvergessen sein Instrument spielt und der Melodie, die seinem Kopf entspringt, folgt – das ist Mediation.

Es handelt sich bei dem „Erlernen von Meditation“ – was wieder einmal ein unpräziser Ausdruck ist, für das, was ich eigentlich erklären möchte – eher um einen Schritt zurück. Ich denke nämlich, es geht darum, zu lernen, wieder Kind zu sein.

Das bedeutet, dass wir erkennen müssen, was das Denken eigentlich ist. Ich möchte das Denken nicht verteufeln, sondern als Werkzeug sehen. Der Verstand wurde uns Menschen gegeben, um komplexe Strukturen zu durchschauen und in dieser Dimension zu überleben. Er ist folglich genauso wichtig wie der Instinkt und das Fühlen. Wenn es aber darum geht, seinen Geist zur Ruhe bringen zu wollen, ist es wichtig, die Beschränktheit des eigenen Verstandes zu erkennen, zu akzeptieren, das Denken zu beobachten und es schließlich eben nicht zu verteufeln, sondern zuzulassen und als einen koexistierenden Faktor, der manchmal ein wenig lästig ist, zu dulden. Sobald man das Denken kontrollieren kann und die „Produkte“ des Gehirns nicht als die einzige Wahrheit betrachtet, ist man bereits – so denke ich – in einem fortgeschrittenen Stadium der Meditation.

Ich würde gerne auch darüber sprechen, wie man Gedanken beobachten, ihren Ursprung analysieren und sie schließlich „unschädlich“ machen kann, aber das werde ich nicht tun, da ich mich selbst für viel zu elend halte, um so tief in die Materie zu dringen.

Das Einzige, was ich mich zu sagen traue, ist: Beschäftige dich mit deinen Gedanken und du wirst sehen, sie bestehen zu neunzig Prozent aus heißer Luft.

Sobald diese Erkenntnis erfolgt ist, ändert sich nämlich auch die Wahrnehmung. Und wie sagt Marc Aurel so schön: Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab!

Ja, ich stimme zu.

Ich bin überzeugt, dass die richtige Wahrnehmung das ganze Leben kontrolliert.

Eine gesunde Kombination aus stiller Meditation und kritischem Denken also, wird auch unser Handeln auf eine Weise beeinflussen, die unsere Gewinnchancen maximiert.

Darüber jedoch werde ich heute nicht sprechen, sondern – vielleicht – nächste Woche. *zwinker*

Ja.

Jannis Raptis führt Monologe. *lacht*

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig Inspiration oder zumindest Lust auf diesen Tag schenken. Wenn nicht, ist das natürlich auch okay.

Ich für mein Teil begebe mich nun ins Fitnesscenter, um mich, einem Griechen aus der Antike gleich, der Leibesübung hinzugeben!

Schau doch ins Theater Brett vorbei, wenn du diese Woche Zeit hast! Die Vorstellungen beginnen jeden Abend (außer Dienstag, da haben wir frei) um 19:30.

Klicke Hier, um zum Facebook-Link zu gelangen.

Zögere auch nicht, mir auf Twitter, aber vor allem auf Instagram zu folgen!

Ich freue mich auf dich.

Schönen Wochenstart und alles Gute!

Dein Troubadour

 

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)

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