Ansichten eines Troubadours: *Weihnachtsspecial (Teil IV)*

Heute habe ich viel ausgemistet und dabei ein paar alte Lohnzettel gefunden. Da stellte sich mir folgende Frage: Kann man sich Weihnachten ohne steuerlich begünstigte Sonderzahlungen eigentlich leisten?

Ich weiß es nicht, Jim. Ich weiß es nicht.

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Guten Tag!

Wie läuft’s? Heute stehen Wochenende und Weihnachten vor der Tür. Das nenn ich mal doppelt gemoppelt. Also dann: Malochen und ran an die Buletten!

Ich freue mich, diese besinnliche Zeit im Schoße der Familie verbringen zu dürfen. Es gibt gutes Essen und den einen oder anderen edlen Tropfen. Und selbstverständlich die bessere Luft des neunzehnten Wienergemeindebezirks. (Hearst, Raptis, bitte!)

Nur ein kleiner Scherz.

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I. Halbleer

Wie hast du deinen Donnerstag verbracht? Warst du gestern unterwegs?

Es war die Hölle los, gel! Ganz Wien war ausnahmsweise mal auf den Beinen. Aufgebrachte Bankiers empörten sich über die fatalen Yen-Kredite, die sie in ihrem Leichtsinn zu früh ergattert hatten und welche sich nun als wahre Plage entlarvten, neureiche Schönlinge protzten mit ihren peinlichen Autos, die lediglich von ihren aufwendigen Frisuren und freudlosen Gesichtern übertrumpft zu werden vermochten, hartarbeitende Singlemütter gaben sich mit gackernder, geradezu hysterischer Begeisterung dem Aperol hin und von sämtlichen Reizen übersättigte Topmodels ließen ihrer Langeweile freien Lauf und bemühten sich nicht erst, den Verlust jeder objektiven Wahrnehmung zu verstecken.

Es war ein guter Abend.

Und ich, der ich zur Abwechslung mal zufrieden mit mir war und – so denke ich – halbwegs gut aussah, begab mich mit meinem ehemaligen Schulkollegen Fred ins Le Méridien, um Teil des Treibens zu sein.

Ja. Wir wollten dazu gehören zu dieser Gesellschaft, die wir im Herzensgrunde doch ganz und gar verachteten.

Nicht einmal das einstündige Warten in der Schlange hielt uns von unserem Vorhaben ab. Bald gesellte sich unser Freund Dan zu uns und wir lernten zwei sehr sympathische Damen kennen, denen ich das Wechselspiel von Freiem Willen und Schicksal erklärte und die jetzt in diesem Augenblick meinen Blog lesen und bestimmt lächeln. *zwinker*

Drinnen warteten wir weitere zwanzig Minuten bei der Garderobe. Dort packte mich für wenige Sekunden blinde Wut, als ich einen Neureichen sah, dessen Augen toter waren als die eines entgräteten Zanders und dessen Frisur einfach ZU perfekt saß. Ich wurde so unfassbar wütend, dass ich mir auf die Unterlippe biss. Ich fühlte mich nach Randalieren, aber ich wusste, dass das kein gutes Ende nehmen würde und so fokussierte ich mich auf das wohlgeformte Gesäß der Dame vor mir.

Es wurde nicht besser mit meinen Nerven.

 

II. Halbvoll

Als ich das zweite Bier getrunken hatte, begann ich mich jedoch zu sammeln. Wie ich vorher bereits schrieb: Es war die Hölle los. Jeder lebte seine eigene kleine Sitcom und freute sich, wenn von irgendwo die Lacher kamen. Jeder wollte die besten Einschaltquoten. Jeder wollte beliebt sein. Jeder wollte gut aussehen. Jeder wollte Alpha sein. Jeder wollte sich selbst finden und ging dabei in die komplett falsche Richtung. Allen voran Ich, der Elendeste von allen.

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Fred, Dan und ich drehten unsere Ehrenrunden wie die Tiger, die wir waren. Wir dachten über das Tao nach, sprachen über die Unterstützungsfonds für schlecht bezahlte Lehrer der Erzdiözese und geiferten mitunter wie wildes Getier, wenn die Föderationsschiffe übermächtig wurden.

Schau, wie hübsch der Kollege hier ist:

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Fred wollte leider keine Fotos, deswegen müsst ihr ihn euch vorstellen. Ein gutaussehender Bursche mit sehr gesundem Haarwuchs und haselnussbraunen Augen.

So, genug!

Ich lächelte sehr breit, als ich eine Frau in der Menge sichtete, die ich kannte. Sie strahlte und ich wusste augenblicklich, dass sie zu den Guten gehörte. Wir gesellten uns zu ihr und das war vermutlich die beste Entscheidung, die wir an diesem Abend trafen. Ich fühlte ihr Licht, ihre Wärme und ihre Kraft. Gerne hätte ich die Nacht mit ihr verbracht, doch die Wogen des Schicksals rissen uns ein weiteres Mal auseinander und ich akzeptierte das.

Ich bekam einen Anruf und telefonierte eine Stunde lang. Als ich zurückkehrte, waren alle verschwunden. Die Frau, ihre Freundinnen, Dan und auch Fred.

Ich hätte trostlos gen Äther blicken und verstört „Warum?“ fragen können, aber ich wollte nicht. Es ging mir gestern tatsächlich gar nicht mal so schlecht. Stattdessen setzte ich mich an die Bar und bestellte noch etwas zu Trinken. Ich dachte darüber nach, was ich am nächsten Tag in meinen Blog packen würde und da die beliebtesten Beiträge jene sind, in denen ich völlig fertig und betrunken auf irgendwelchen Parties rumhänge, beschloss ich, allein und ein wenig verlegen, mich volllaufen zu lassen.

Aber es ging mir leider zu gut! *lacht* Es war mir kein Method Acting möglich.

Ist das nicht ein interessanter Umstand? Dass die Künstler sich genau dann am meisten nach Kunst fühlen, wenn sie am Ende sind? Dass die besten Lieder auf Herzschmerz und Leiden basieren? Dass die schönsten Gedichte nur einem gemarterten Geist, der in seinem idealistischen Streben stets enttäuscht wurde, entsprungen sein können?

Und ich saß da, allein an der Bar, umringt von Leuten, die mir völlig wurscht waren, und freute mich des Lebens. Ich freute mich, endlich wieder allein zu sein, spürte, dass ich sehr bald wieder auf Reisen gehen musste, um in Einklang mit meinem tiefsten Innersten zu handeln und fühlte, dass das Lied, welches ich am Vortag geschrieben hatte, Potenzial zu einem Hit hätte.

Alles war gut.

Und es gibt keine Pointe. Das war der Bericht. Unspektakulär und ohne viel Hollywood.

Mit der leichten Manie, die der Inspiration vorauseilt, bezog ich Quartier im Hotel und verbrachte die Nacht dort. Immerhin ist Weihnachten. Und das Leben kurz. Und da ich sowieso keine steuerlich begünstigte Sonderzahlungen kriege, ist es auch schon wurscht.

Good morning planet earth 🌏🙈🌞 #sleepy but #happy

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Das Wochenende gibt’s natürlich die Weihnachtsspecials Numero V und VI, was im Grunde eigentlich nichts anderes ist als ein normaler Blogpost mit mehr Bildern und längerem Text (*lacht*), aber wer weiß, vielleicht überleg ich mir ja noch was. Willst du, dass ich dir ein Weihnachtslied singe? Wenn ja, welches?

Ernsthaft, ich bin offen für Vorschläge. *zwinker*

Hab einen schönen Freitagabend und meld dich doch, wenn du heute wo unterwegs bist, wo es lustig sein könnte! Vielleicht sehen wir uns ja in den Tiefen der Nacht?

Ciao!

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2016, www.jannisraptis.com)

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