Ansichten eines Troubadours, Woche 29: „Jenseits von Gut und Böse“

Grüß Gott, verehrte Leserschaft!

Wie geht’s?

Meine Absenz letzte Woche sei mir verziehen. Zeitaufwändige Bagatellen profaner Natur machten sich einen Jux daraus, mich kurzzeitig zu behelligen. Nun jedoch wollen wir wieder ein paar Minuten finden, um uns zu besinnen und anzukommen. Wo wir ankommen und ob wir sanft oder hart landen werden, vermag ich jedoch nicht vorherzusagen. Weißt du, was ich so lustig an der Suche nach der Wahrheit finde?

Es ist eine Mission, die weder staatlich noch von der Krone finanziert wurde, (ein Low Budget Projekt, wenn man so möchte) für die man jedoch so viel Zeit und Energie benötigt, dass alles Andere völlig vernachlässigt wird. Gleichzeitig – und jetzt kommt die Pointe – gibt es KEINERLEI Garantie, dass man fündig wird. Es ist sozusagen eine Fahrt ins Ungewisse.

Ein Experiment, das ALLES verlangt und voraussichtlich NICHTS zurückgibt.

Für Leute ohne Mut und ohne eine gehörige Portion an Wahnsinn ist diese Reise also keine Option. Diese Leute werden wohl bis zum Ende ihres Lebens um halb sieben Uhr morgens aufstehen, auf die Schnelle frühstücken, pissen, sich die Haare richten, an einen furchtbaren Ort fahren, den sie – ohne selbst daran zu glauben – ihre „Arbeit“ nennen, und nach acht Stunden sinnlosen Herumstehens wieder heimfahren, um ihren Feierabend zu genießen und schließlich einen Schlaf zu schlafen, den sie vermutlich auch noch den „Schlaf der Gerechten“ nennen werden.

Früher hätte ich gesagt: Mein Beileid.

Jetzt bin ich so weit, zu sagen: Selbst schuld, oder, um weniger provokant zu klingen: Jedem das Seine.

Da ich jedoch – wie ich in meiner grenzenlosen Selbstüberschätzung zu behaupten wage – Taoist bin, tu ich meine Bewertungen nicht allzu ernst nehmen. Ich fühle mich weder klüger, noch besser, noch elender als jene, die ich soeben anzugreifen wagte. Jeder bekommt das, was er verdient.

Und ich verdiene scheinbar ein Leben, das zu neunzig Prozent von Zweifeln, Fragen und Angstzuständen beherrscht wird! *lacht-herzhaft*

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Nein, das war natürlich ein Scherz.

Denn wir leben ja das Yin und das Yang. Und das bedeutet, dass wir wissen, dass die Freude nicht schätzbar wäre, wenn es keine Nicht-Freude gebe, wenn du mir folgen kannst. Die Freude, besser gesagt, die Glückseligkeit, die jemand zu empfinden in der Lage ist, nachdem er durch die tiefste Dunkelheit gewatet ist, die ist einfach… Unbeschreiblich.

Denn, wie soll ich es erklären, nun, da ich es zum ersten Mal wirklich erlebe?

Er oder sie hat alles auf den Kopf gestellt, alles hinterfragt, um wieder zum Ursprung zurückzukehren und festzustellen, dass alles in seiner Ordnung ist, ungefähr so, als würde aus einem ramponierten Radio zur Mittagszeit kubanische Musik erklingen.

Und das verschafft einem eine ungeheure Befriedigung.

Ich wähne mich im Spiel von Yin und Yang – ich lebe Schmerz und Freude aus und dabei wehre ich mich nicht dagegen. Das ist Wu Wei. Und ich denke, dass das der Weg ist, um mit dem Tao zu verschmelzen.

Das Erkennen und Akzeptieren des „Kräftemessens“ von Yin und Yang, dessen Abbilder wir alle und jeder einzelne Sachverhalt im Universum sind.

Oder, um es anders auszudrücken: Ist das Krokodil böse, weil es die Gazelle verschlingt?

Du kennst die Antwort auf diese Frage.

Aber wozu das Ganze? Warum sollte jemand sich die Mühe machen, ALLES, womit die lustige heutige Gesellschaft ihn ablenkt, zu vergessen, um sich auf Yin und Yang zu konzentrieren?

Keine Ahnung. Die meisten würden sagen: Sie wollen etwas „erleben“, so etwas wie „Erleuchtung“ oder irgend so einen kindlichen Unfug.

An diesem Punkt war ich bereits. Und ich bekam mehr als nur hart zu spüren: Dazu wird es nicht kommen. Es wird keine Antwort auf meine Fragen geben, nicht in diesem Leben.

Ich denke, der Sinn dieser Suche, also der Sinn des Lebens, wenn man so will, darin liegt, zu verschmelzen; mit dem Moment, mit dem Kosmos und all seinen wunderschönen und möglicherweise auch grausamen Aspekten, mit der eigenen Natur, die beschränkt und gleichzeitig unendlich ist, mit dem Seelenmaterial, das uns alle verbindet und nur ein großes Ganzes bildet. Und hierin liegt der Beweis, das Zeit und Raum fast wertlos sind.

Ich weiß, das klingt kitschig.

Aber ich fürchte, die Wahrheit ist kitschig.

Erleuchtung ist nur ein Begriff, den kein Mensch sich ausmalen kann, Gott ist eine furchtbare Wortwahl für etwas, das zu benennen, UNMÖGLICH ist, und Religionen sind ähnlich wie politische Debatten, Landesgrenzen und kriegerische Auseinandersetzung nur eine Ablenkung von dem, was wirklich von Bedeutung ist.

Und das schlummert in uns und in jedem Stein, jedem Baum, jedem Grashalm, jedem Tier und jeder Lebensform, in der Luft, im Kohlendioxid, im Plus und Minus des Magneten, im warm schwingenden G, in welchem der Planet Erde klingt, in den Sonnensystem (die nämlich wirklich ein System haben), in den Galaxien und den Galaxiehaufen, in den transgalaktischen Voids und im Gyros, das mir immer noch im Magen sitzt.

Geil, oder?

Ich habe ALLES hinterfragt, sogar die Liebe, die ich stets als die einzig unumstößliche Wahrheit angenommen habe. Alles.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht einmal, ob die Liebe wirklich die einzige Wahrheit ist. Ich fühle zwar, dass das so ist, aber ich kann es nicht erklären und das werde ich auch nicht versuchen.

Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann, ist: Harmonie und Chaos wechseln einander ab, Gott und der Teufel ringen unaufhörlich und der eine kann ohne den anderen nicht existieren, Dämonen waren einst Engel und die Gazelle, die vom Krokodil verschlungen wurde, verdaut noch immer das Gras, das sie zuvor verspeiste, bevor schließlich alles verdaut ist und das Krokodil zu einer Lederhandtasche verarbeitet wird, die wiederum einem zahnlosen Strauchdieb das Leben rettet und so weiter und so fort. Nicht einmal Gandalf erkennt alle Absichten. Denn alles ist untrennbar miteinander verbunden und erschafft auf diese Weise ein unüberschaubares, komplexes System, das nicht linear und folglich nicht zu messen oder gar zu werten ist.

Gut und Böse, Weiß und Schwarz und der ständige Drang des Menschen, alles in Tuben zu packen und sich für eine Seite zu entscheiden, spielen hier schon lange keine Rolle mehr.

Wer hier angekommen ist, der kümmert sich nicht mehr darum, ob er kriegerisch oder engelhaft handeln will; es ist selbstverständlich, dass er gemäß der Natur handeln wird, was auch immer das bedeuten mag. Er erkennt seine Position, er erkennt die Komplexität des Universums und akzeptiert die Endlichkeit seines Denkens.

Denn hier, hier muss er nur fühlen, dankbar sein und sich allen Zuständen, die er zu erfahren in der Lage ist – Gefühle, Empfindungen und so weiter – hingeben. Das ist alles.

Darüber zu reden, ist, wie ich schon oft gesagt habe, ziemlich absurd. Aber wie sonst, soll ich einen Anreiz geben?

Wirklich etwas BEWIRKEN kann ohnehin nur die einzig universelle Sprache und wir wissen, welche diese Sprache ist. *zwinker*

Warum ich die Konvention stets in den Schmutz ziehe? Warum ich all jene provoziere, ja offen angreife, die irgendwas Sinnentleertes studieren und arbeiten, ohne zu wissen, warum? (Außer, um „Geld“ – was für eine absurde Erfindung! – zu verdienen?)

Nun, ganz einfach: Weil ich an jeden von ihnen glauben möchte. Ich möchte daran glauben, dass jeder Mensch fähig ist, seinen Weg zu gehen.

Und – laut meiner Erfahrung – ist dieser Weg untrennbar mit der Berufung verbunden. Versteh mich nicht falsch, jeder von uns muss zwischendurch jobben, um sich über Wasser halten zu können. Aber jeder von uns hat auch eine Berufung und die gilt es zu erkennen.

Ich für mein Teil weiß nun, wie ich mich selbst und meine Mitmenschen in Einklang bringen kann. Mit dem Erzählen von Geschichten. Ob diese Geschichten nun musikalisch oder sonst wie rübergebracht werden, spielt keine Rolle. Bagatellen wie Geld, Ruhm und Ego haben schon LÄNGST jede Bedeutung verloren. Ich will nur das kollektive Unterbewusstsein anregen, um zu verschmelzen, wobei mein „Wollen“ auch nur ein unzulänglicher Ausdruck für einen Drang ist, der nicht in leere Worte verpackt werden sollte.

 

Kurz: Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht länger struggle, auch wenn sich faktisch nichts verändert hat. Ich verdiene immer noch kaum Geld und lebe immer noch in einer Stadt, die mir das Leben aussaugt wie ein spöttischer Vampir und ich bin von der Greencard und dem Großteil meiner „Träume“ – faktisch – so weit entfernt, wie eh und je.

Aber ich kämpfe nicht länger mit meiner Bestimmung.

Ich fühle mich gesegnet und unfassbar privilegiert, ein Musiker sein zu dürfen. Ich fühle mich, als würde ich dem Kreis einer Bruderschaft angehören, die ausgesandt wurde, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.

Und genau das werde ich tun.

Aus diesem Grund bin ich völlig überzeugt davon, dass JEDES EINZELNE Individuum, in der Lage ist, diese seine Bestimmung zu finden. Und damit sich selbst zu finden.

Und im Endeffekt ist das der Beginn und gleichzeitig das Ende einer Reise, die das Verständnis um Wu Wei (Die Kraft des „Nichtstuns“, vgl. Woche 28), Tao („Weg“, „Sinn“) und Ying und Yang zu einem Gefühl macht, das so selbstverständlich ist wie das Pinkeln, das Essen, das Schlafen und das Liebemachen.

Eine schöne Woche noch, lieber Leser/liebe Leserin!

Dein Troubadour

 

PS: Am Freitag kannst du mich mit Timna Brauer auf der Langen Nacht der Kirchen im Stephansdom hören.

PPS: Am Samstag kannst du mich auf dem Life Ball in der Big Band um Conchita Wurst und Ute Lemper erleben, entweder vor Ort oder im TV. Du wirst sterben, wenn du meinen Anzug siehst! *zwinker*

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

Ansichten eines Troubadours, Woche 28: „Die Pinie und die Weide”

Grüß Gott und schönen Wochenstart, verehrte Leserschaft!

Mit Sodbrennen und einem wehleidig zuckenden rechten Auge stieg ich soeben aus dem Flieger aus; einer betagten Maschine jugoslawischer Nationalität, die rußig und düster, aber durchaus solide, ihre dreihundert Knoten zurückgelegt hatte. Nach einem ausgedehnten Spontan-Wochenende in Thessaloniki, fühle ich mich dem Tao so nahe wie schon lange nicht. Mehr denn je belächle ich all die Hygieniker, deren tägliche Kasteiung und Askese nur dem Ziel dient, etwas zu „erreichen“, „Erfahrung“ zu erleben und so alt zu werden wie P’eng Tsu. Auch wird mir ein weiteres Mal klar, wie unendlich beschränkt das lineare Denken des modernen Menschen geworden ist, wie wenig Raum er sich und seiner Gemeinde lässt, um die nicht-linearen Konstrukte des Kosmos zu spüren, sich des Lebens zu erfreuen und sich im stetigen Wechselspiel von Yin und Yang zu wiegen.

Stattdessen trachtet er unablässig nach Kontrolle und will sich die Natur mit Maschinen und Computern zu Eigen machen.

Das ist nicht das Tao.

In einer Welt, die so verkommen ist, kann ein Mensch wie ich sich nur wie ein Alien fühlen! *lacht* Es ergibt wieder Sinn. Und ob ich nun weise oder vollkommen wahnsinnig bin, sei dahingestellt. Anfühlen tut es sich jedenfalls wie unverfälschte Erkenntnis und das ist das Wichtigste.

Ich verwendete soeben den Ausdruck „verkommen“ und muss mich tadeln, denn tatsächlich liegt mir derzeit nichts ferner, als zu vergleichen oder gar zu urteilen. Ich bin eins mit Yin und Yang, das muss reichen. Wo Licht ist, dort ist auch Schatten. Jeder Pluspol benötigt auch einen Minuspol und umgekehrt.

Und, um einen Exkurs in die heilige Dreifaltigkeit des Hinduismus zu machen: Die Trimurti besteht aus Brahma, dem Erschaffer, Vishnu, dem Erhalter und Shiva, dem Zerstörer. Dieser Kreislauf war mir seit jeher sympathisch und ich denke, für eine Religion – und meine Meinung zu diesen Institutionen kennst du – ist das Konzept recht fortschrittlich.

Genau das dachte ich mir, als ich durch Thessaloniki schlenderte und bei aller Liebe, die ich für mein Land hege, ein weiteres Mal zugeben musste: Fuck.

Die Busse streikten, das Volk war uneins und der einstige Glanz dieser Hochkultur stand in fetten, blutroten Lettern auf der Todesliste der Wirtschaftskrise und dem unerträglichen laissez-faire des modernen Griechen.

Das ist nicht Wu Wei.

Die Kraft des Nichtstuns hat absolut gar nichts mit laissez-faire oder gar Faulheit und Perspektivenlosigkeit zu tun. Bitte!

Aber zurück zu Yin und Yang, wo wir stehengeblieben waren, kurz bevor ich in Griechenland-Schelte abdriftete (wofür ich mich nicht schäme): Wo Licht ist, dort ist auch Schatten.

Das bedeutet also, dass ich nicht länger werten möchte. Ich will nicht! Und ich habe nicht das Recht dazu. Meine Spezies schlägt sich nun Mal seit Anbeginn der Zeit die Köpfe ein und scheinbar ist das für die Natur okay, andernfalls würde es nicht passieren. Menschen kommen auf die Welt, Menschen sterben, Menschen leben glücklich, andere leiden.

Ich habe beschlossen, mich von dem Gedanken einer „idealen“ Welt, Schrägstrich dem Messias-Syndrom, das mich nachts nicht schlafen lässt, zu verabschieden.

Ich kann diese Welt nicht „retten“. Niemand kann das. Und niemand muss das tun. Denn, um mit einem Jurassic-Park-Zitat zu kommen: „Das Leben findet einen Weg.“

Was uns bleibt, ist, an uns selbst zu arbeiten, und während der kurzen Zeit unseres Wirkens die Gemeinde mit unseren Kräften zu einen und glücklich zu machen. Ich habe Musik und Wörter gelernt, weiters kann ich Nächstenliebe und gutes Benehmen anbieten. Das ist mein kleiner Beitrag. Mehr kann ich nicht.

Bagatellen wie Ego, Geld und Ruhm haben schon lange keinen Platz mehr, sobald man sich so tief in die Materie gewagt hat, sobald man die unendliche Einfachheit (oder die einfache Unendlichkeit) des Tao gekostet hat. Dort, wo es keine Dualität gibt, keine Zweifel, keine Verwirrung und keine vom Menschen erfundene Systeme, die sich völlig gegen das Tao stellen.

Ich fürchte mich nicht länger. Vor nichts und niemandem. Und all jene, die am Leben hängen und den Tod fürchten, sollten sich mal ernsthaft darüber Gedanken machen, wie absurd das eigentlich ist. Während dieses Prozesses, sollen sie die Angst jedoch noch ein Mal richtig machen lassen, sie spüren, sie genießen. Denn die Angst gehört ja genauso dazu, wie alles was davor und danach im Bewusstsein stattfindet! *lacht-fröhlich*

Während meines Fluges schwelgte in Erinnerungen an mein taoistisches Wochenende in den Tiefen der thessalischen Nächte. Beinahe hatte ich vergessen, wie magisch diese Stadt bei Nacht ist! Tatsächlich hatte Thessaloniki drei Jahre lang ohne mich auskommen müssen; ein Fauxpas, der mir hoffentlich nicht wieder unterlaufen wird.

Still und heimlich feierte ich mit meinem Kumpel und Gastgeber, der das Wu Wei instinktiv begriffen zu haben scheint und von Sportwetten lebt, meinen geheimen Abschied vom „alten“ Leben. Wir zogen durch die angesagtesten Clubs der Stadt, tranken Whisky, zockten im Casino, sahen uns Tanzshows an und ich verliebte mich für einige Minuten in die Tänzerin Viktoria, die eins mit der Stange geworden zu sein schien und mir im Gespräch ihre ganz sensationellen Verführungskünste offenbarte; eine Kunst, die nur mehr selten Gebrauch findet in diesem Zeitalter der schnellen Befriedigung. Sie war zweifelsohne eine bemerkenswerte Frau, die es schaffte, Männer dazu zu bringen, sie zu lieben.

Ich gab ihr den Segen Gottes und trat auf die nächtliche Straße.

Von diesem Zeitpunkt an verschwimmen meine Erinnerungen. Wieso ich mich bei Tagesanbruch auf einem thessalischen Highway wiederfand, auf meiner großen Stirn ein Lippenstiftabdruck prangte und mich gruselige Straßenhunde anbellten, vermag ich nicht zu ergründen.

Am nächsten Tag sah ich mir Verlobungsringe an.

Sieben-Sekündige-Gedankenpause

Das Tao hatte mich in seinen sanften Schoß gebettet, ich räkelte mich genüsslich in seiner Umarmung. Zum ersten Mal hatte ich die Nacht gelebt und von der Dunkelheit gekostet, ohne dabei einem Trieb, der von Selbstzerstörung oder Unachtsamkeit genährt wird, zu folgen, ohne dabei flüchten zu wollen. Ich stand über den Dingen! Und selbst das geschah ohne Ego, ohne das Gefühl etwas „Besseres“ sein zu „wollen“. (Die Gänsefüßchen mögen nerven, doch in diesem Falle sollen sie bei den beiden Begriffen lediglich zum Nachdenken anregen *zwinker*)

Wie absurd sind nervige Quälgeister wie das Ego nur! Und doch verteufle ich es nicht; es ist Teil der menschlichen Natur, ebenso wie der Mörder, der Dieb und der Lügner Teil der menschlichen Natur sein könnten.

Was ich jedoch denke, ist: Im Zusammenleben ist es wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Oftmals stoßen wir auf Individuen, die sich gegen das Tao gestellt haben, nicht in ihrer Mitte sind und sich auf putzige Art und Weise sehr wichtig machen. Das braucht uns jedoch nicht länger zu ärgern. Unsere Aufgabe ist klar: Unsere Aufgabe ist es, eine Immunität gegen die Pfeile des Egos zu entwickeln und ins Herzland vorzudringen, wo wir tatsächlich etwas bewirken können.

Dort, wo wir alle gleich sind.

 

Dass ich die Vermessenheit besitze, über so wichtige Dinge zu schreiben, sei mir verziehen. Denn sogar die Lehren, die mir am sympathischsten sind – so wie etwa der Taoismus, der ursprüngliche Konfuzianismus, Heraklit und Sokrates, der junge Buddhismus und das ganz frühe Christentum – dienen lediglich als Geburtsthelfer.

Nicht mehr und nicht weniger. Deswegen gefällt mir das Daodejing von Laotse so dermaßen gut. Es beginnt schon mit den Worten:  Das Tao, das taoisiert werden kann, ist nicht das echte Tao.

Womit er ganz eindeutig sagt: Kinder, darüber zu reden, bringt nichts. Ihr müsst es erleben.

Allein darin ist schon die Wahrheit über Meditation und Erkenntnistheorie enthalten. Wir sprechen hier von einem Empirismus, der bereits vier Jahrhunderte vor Christus da war und den Menschen als das autarke Individuum benannte, das er ist.

Keine Götter, keine Rituale, kein verwirrendes Geschwätz, keine Teilung des Volkes, aber vor allem: Keine Trennung.

Als das große Tao verloren war, entstand die Vorstellung von Menschlichkeit und Gerechtigkeit.

Als Wissen und Klugheit kamen, entstanden die großen Täuschungen.

Als Familienbande nicht mehr harmonisch waren, entstand die Vorstellung von guten Eltern und folgsamen Kindern.

Als das Volk in Unordnung und Missherrschaft verfiel,

entstand die Vorstellung von treuen Ministern.

Lao-tzu (147c)

Da haben wir es schwarz auf weiß und ich möchte am Liebsten gar nichts mehr dazu sagen.

Wie blind muss man nur sein (und wieder werte ich, gebt mir eine Ohrfeige!), um nicht zu erkennen, was sämtliche Religionen (als sie zu verbrecherischen Institutionen wurden) angerichtet haben! Wie naiv und gutmütig muss man sein, um einem Verbrechen solcher Natur nicht entgegenzuwirken mit dem, was Gott uns gegeben hat: Dem Verstand.

Wovon ich spreche?

Pah! Gott und Mensch waren niemals getrennt! Die Einheit ging niemals verloren! Alles ist Eins, du bist Teil des nicht-linearen Konstruktes, genauso wie ich, der Tisch, an dem du gerade sitzt, das Iphone, durch das du gerade virtuell blätterst und dir denkst: „Wovon zum Teufel redet dieser Irre?“ und das Souvlaki, das mir gestern den Magen verdorben hat.

Weder Priester, noch Kirchen, noch ewige Strafen oder Belohnungen, noch Lehren sind von Nöten, um zu sich und zum All-Einen zu finden! Sie sind im besten Falle Geburtshelfer und dort endet ihre Rolle genauso, wie nun mein Text endet.

Ein weiteres Mal muss ich an Jiddu Krishnamurti denken, der einer der wichtigsten und fortgeschrittensten Individuen unserer Zeit war, und sich selbst und den Leser stets tadelte, da das Predigen und Zuhören keinesfalls zielführend, sondern maximal ein „nettes Extra“ war. Dass jeder seinem individuellen Weg zu folgen hatte, ohne dabei das Gefühl der Einheit jedoch einzubüßen.

Es beleidigt mich, dass in den Schulen Religion und Informatik gelehrt, während Dinge, die wirklich etwas bewirken könnten, nicht ein Mal angerissen werden.

Aber gut. Dass das Schulsystem Jannis Raptis ankotzt, ist wohl genauso Teil des Ganzen wie die Fliege, die grad durch das Zimmer schwirrt und bald sterben wird, wie der Hunger und das Sodbrennen und wie die Turbinen des Fliegers, die mir Kopfschmerzen bereiteten.

Alles, was geschieht, ist Teil des Stroms. Und selbst im Falle, dass wir von Aliens regiert werden: Wenn dem tatsächlich so ist, dann passiert das halt gerade und ist Teil des Ganzen. Wo ist das Problem dabei?

Die Welt zu verbessern, ist ein nobler Gedanke und ohne dieses idealistische Streben wäre mein Leben wohl ziemlich leer. Und dennoch: Ich denke nun, dass es wichtig ist, die Natur machen zu lassen. Und damit meine ich auch die furchtbaren Dinge. Denn genauso, wie sie begonnen haben, genauso werden sie auch wieder enden, bevor das Ringen von Yin und Yang sich wieder auf irgendeine Weise manifestieren, die dem Menschen Schmerz oder Freude zufügt.

In meinen düstersten Stunden schrieb ich in diesen Blog, dass es nur eine Garantie gibt im Leben. Diese wäre das Leiden.

Daran halte ich fest. Aber ich muss dem etwas hinzufügen. Es gibt nämlich noch eine zweite Garantie. Das ist die Seligkeit.

Denn ohne den Minuspol kann es keinen Pluspol geben, ohne einzuatmen, kann niemand ausatmen, ohne zu leben, kann niemand sterben – und umgekehrt.

Mischen wir uns nicht ein und urteilen wir nicht über Systeme, die bereits wunderbar funktionieren und immer funktionieren werden, denn sie sind Teil von uns wie unser Nervensystem. Das Tao wird uns leiten und wir sind das Tao.

Wu Wei, die Kraft durch das Nichtstun, können wir vergleichen mit den Ästen einer Pinie und einer Weide im Schnee: Der starre Ast der Pinie zerbricht unter der Last, der Ast der Weide gibt dem Gewicht nach und lässt den Schnee abgleiten. Dabei ist die Weide nicht schlaff, sondern federnd. Das bedeutet, dass Wu Wei, der Lebensstil eines Menschen, der dem Tao folgt, eine Form von Intelligenz ist. Ein sich Wiegen in den kosmischen Gesetzmäßigkeiten, eine Einheit mit der Natur.

Keinesfalls ein Nichtstun.

Und wieder habe ich viel zu viel gelabert, viel zu viel Tinte verbraucht, in der Hoffnung, irgendjemandem, der oftmals unter Attacken der Verwirrung leidet (mich eingeschlossen), daran zu erinnern, wer und was er ist.

Oftmals habe ich in den „Ansichten eines Troubadours“ über die Rückkehr zum Kind gesprochen.

Nun.

Bitte sehr.

Wir sind alle Kinder Gottes oder der Großen Mutter, welche wiederum in und um uns herum ist und keinen Namen trägt, keiner Religion angehört und keine Befehle erteilt oder gar Gebote hinterlässt. Oder in Lao-tzus Worten:

„Das Prinzip des Tao ist das, was von selbst geschieht.“

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(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

Ansichten eines Troubadours, Woche 27: „Ein Allegretto für den Kaiser“

Einen wunderschönen Wochenstart!

Der Himmel gleicht einer weinenden Mundharmonika und erinnert mich irgendwie an die Achtziger. Wobei, Moment mal. Hat man die Achtziger eigentlich miterlebt, wenn man sich an sie erinnern kann? *mysteriös-in-die-Kamera-blickend* Ich weiß es nicht, liebe Freunde, in der Anlage ist jedenfalls das Wasser drin.

Leicht verstört, schreckte ich soeben aus meiner Siesta hoch, als mein Gemüt sich zuckend einer ganz und gar scheußlichen aktuellen Thematik erinnerte, die mich und meine gesamte Kaste betrifft.

Wovon ich spreche?

Ich spreche hiervon.

Zugegeben, seit ich nicht mehr auf Facebook bin, entgehen mir Nachrichten und News solcher Natur öfter und öfter. Doch in diesem Fall war das Thema unter Musikerkreisen einfach zu präsent, als dass es auch mein fein geschnitztes Öhrchen hätte verschont lassen können.

Erschreckend, scheußlich und einfach zum Kotzen, dieses Verbrechen.

Nicht, dass ich Anderes gewöhnt wäre; als Musiker, beziehungsweise als Künstler, ist man in der heutigen Zeit ohnehin regelmäßig mit Erniedrigung konfrontiert. (Außer man ist Sprössling eines Millionärs, oder schafft es irgendwann, selber einer zu werden.)

Doch das hier ist der Gipfel. Es stellt auf geradezu plakative Art und Weise den Zeitgeist dar, der dafür verantwortlich ist, dass mein ganzes Geld für Whisky draufgeht.

Bevor ich weiter fluche, überlasse ich das Wort allerdings meinem guten Freund und Saitenkollegen Alex Yoshii, der diesen Beitrag schrieb und eine Petition ins Leben rief, welche über Nacht die Runde machte und bereits über anderthalbtausend Stimmen zählt. Einfach draufklicken und weitergucken.

*sieben-Sekunden-Pause*

Bravo, Alexander.

Bravo! Wir brauchen natürlich noch viel mehr Stimmen! Und obwohl ich der Letzte bin, der irgendwen von irgendetwas überzeugen möchte, wage ich nun zu sagen: Lies dir das alles doch mal in Ruhe durch und wenn du uns Musiker unterstützen möchtest, gib uns bitte deine erlauchte Unterschrift. Es kostet KEIN Geld, einzig zehn bis zwanzig Sekunden deiner Zeit, kann jedoch entscheidend sein für die Zukunft alles Troubadoure.

Ich habe mich schon lange von dem Gedanken verabschiedet, in Österreich – so schön ich dieses Land auch finde – alt zu werden und plane seit etwa zwölf Monaten meine Auswanderung. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, oben genanntes Thema offen anzusprechen. Nicht nur für Österreich und Österreicher, sondern allgemein.

Es gibt viele Staaten auf dem Planeten, in denen die Situation tatsächlich sogar noch schlimmer ist und das stimmt mich unendlich traurig.

Falls du meinen Blog schon länger abonniert hast, dann weißt du, dass ich der Ansicht bin, diese Welt befände sich am Abgrund. Ich denke, dass die Menschheit – so fern sie nicht von Aliens regiert, oder zumindest manipuliert wird, die das Ganze übernehmen werden – sich in absehbarer Zeit selbst abschaffen wird und hey: Das ist auch vollkommen okay so! Das nennt sich Evolution.

Aber komm schon; muss diese Prozedur wirklich so ruhmlos verlaufen?

Mir ist schon klar, dass das Beamtentum, die Bürokratie und der Groschen diese Welt regieren und vermutlich würde Letztere ohne diese Dinge – zumindest mit dem jetzigen Status des Homo Sapiens – nicht anders funktionieren. Okay, akzeptieren wir so. Aber ich behaupte, dass diese Gesellschaft genauso wenig funktionieren kann, wenn es keinen Raum für Musiker und Musikschaffende gibt.

Musikanten und Gaukler hingegen soll es geben, ja? Und sie sollen die Mindestsicherung beziehen und mit ihren teuren Erwachsenen-Spielzeugen spielen?

Ooookay!

Und ich bin da mitten drin, verfluchte Scheiße; ich weiß, wie schmerzhaft das Leben als „Berufskünstler“ ist. Berufsmusiker. Was für ein Bullshit! Als ob man sich irgendwann entscheiden würde: Ich werde jetzt beruflich Musiker. Nein, nein, nein!

Die Musik findet ihren Botschafter, nicht umgekehrt. Sie überkommt den Erwählten und in manchen Fällen erhält Letzterer einen Auftrag von den Musen persönlich. Das ganze ist kein Beruf, der irgendwas mit Geld oder sozialem Status zu tun haben sollte. Es ist eine Berufung, so wie diese des Priesters.

Es gibt Tage, da verfluche ich mich selbst, meine Instrumente und die Welt da draußen. Aber das ändert nichts daran, dass meine Entscheidung unumstößlich ist. Ich habe den Musen zugesagt und ganz gleich, wie sehr das Finanzamt mich ficken will: Dieser Troubadour wird nicht schweigen. Ganz gleich, wie sehr ich innerhalb dieses Zwischenstopps namens „Ein Paar Jahre Leben auf dem Planeten Erde“ scheitere: Mein Deal mit den Musen ist mir wichtiger.

Ich kenne meine Aufgabe auf dieser Welt und ich arbeite vierundzwanzig Stunden am Tag. Und wenn das bedeutet, dass ich Abschaum bin, dann kann ich gut damit leben.

Solange ich mir meinen Whisky leisten kann.

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Nein, aber ernsthaft.

Mir persönlich geht’s zurzeit so gut wie noch nie. Mein Album ist fertig aufgenommen und befindet sich nun in der Postproduktion. Bald schon, bald schon wird das, was meine Seele, mein Gehirn und jede Menge talentierter Hände schufen, greif- und hörbar sein.

Es gibt kein Zurück.

Weitermachen, liebe Kollegen! Wir werden auch diese Bagatelle überstehen, so wie wir es immer tun.

Bitte, bitte, bitte, werte Leserschaft, lass uns gemeinsam etwas gegen die Ausbeutung jener Menschen unternehmen, die diese Gesellschaft mit ihrem Talent, ihrem Können und ihren Botschaften bereichern.

Es ist einfach eine Sünde im Angesicht des Herrn da oben.

Auf die Kaiserstadt.

Auf die Stadt der Musik.

 

Hochachtungsvoll

Dein Troubadour

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

Ansichten eines Troubadours, Woche 26: „Der Frühjahrsputz“

Guten Morgen, schöne Woche und ertragreichen Monat, liebe Gemeinde! Der Frühling ist da, die Vöglein zwitschern und die Grillen zirpen. Und während ich nun meine Schreibfeder in den breiigen Restinhalt des schräg geneigten Tintenfasses stoße, um meine Gedanken zu Papier zu bringen, muss ich mir eingestehen: Ich wäre lieber draußen im Park, um mich mit dem Ballspielen zu vergnügen.

Doch ich bin nicht hier, um mich zu vergnügen. Dies zu erkennen, raubt den goldenen Gitterstäben meines Döblinger Gefängnisses durchaus etwas von ihrer Härte.

Es ist schon okay so.

Wie geht es dir? Wie stehen deine Aktien? Bist du nach dem letzten Blogpost eh nicht in Ufologie abgedriftet? *lacht*

Ich für mein Teil habe diese Woche unfassbar viel aufgeräumt. Denn, falls du es nicht selber schon weißt: Das Aufräumen gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben. Wieder kommen wir zu einem Punkt, den ich immer wieder mal gerne anspreche, beziehungsweise ausführe: Achtsamkeit.

Ich weiß nicht, ob du mir folgen kannst, aber ich habe die Theorie, dass alles plötzlich viel weniger trostlos wirkt, sobald man sich intensiv damit beschäftigt hat, sobald man dem Gegenstand die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hat, die er verdient.

Das gilt sowohl für die Welt da draußen als auch für diese in deinem Inneren. Im Prinzip ist „achtsam Leben“ eine dauerhafte Einstellung. In meinem Leben ging die innere Ordnung stets Hand in Hand mit einem aufgeräumten Arbeitsplatz.

Mit diesem Gedanken habe ich vergangene Woche also meinen Schlaf- und Arbeitsplatz in Wien ausgemistet und entstaubt, denn, wenngleich ich nicht vorhabe, allzu lange in Österreich zu verweilen, bin ich jetzt gerade nun mal hier. Und aus einer Trotzphase heraus, auf seine unmittelbare Realität zu scheißen, halte ich für ein wenig kindisch.

Probier’s mal aus! Ein aufgeräumter Schreibtisch wirkt auf den Schaffenden schon ganz anders als eine staubige Tischplatte, die sich qualvoll unter der Last der Papierberge krümmt. Ein entstaubtes Bücherregal, in dem vereinzelte Buddha-Statuen hervorlugen, hat mehr meditativen Charakter als man sich vorstellen mag. Ein aufgeräumtes Sofa trägt auch so schon reichlich Erinnerungen an die Vergangenheit mit sich.

Und Letztere ist ja eine der größten Gefahren für den Entwicklung Anstrebenden, wie wir schon oft zuvor in diesem Blog behandelt haben.

Manchmal habe ich Tage, da würde ich am liebsten alles verbrennen und vernichten, was mich an die Vergangenheit erinnert. Möbel, Kleidung und Gemälde, alles in die reinigenden Flammen werfen! Ich denke, diese Tendenz geht Hand in Hand mit meiner wahnhaften Sucht, dieses Land zu verlassen. Aber gut, das ist eine andere Geschichte.

Kehren wir zur Achtsamkeit zurück.

Mark Aurel behauptet, dass das Glück unseres Lebens von der Beschaffenheit unserer Gedanken abhängt. Dem stimme ich zu.

Ich mein: Vielleicht kennst du diese Tage, in denen du so bewusst bist, so empfänglich für die nichtlinearen Konstrukte des Kosmos, dass sich plötzlich deine gesamte Wahrnehmung verändert. Ich spreche hier von einem meditativen Geist. Einem Geist, der jedoch nicht absichtlich meditativ, kontemplativ, diszipliniert oder gar irgendetwas sein möchte! Weit gefehlt, oh, mein teurer Archimedes! Ich spreche von einem Geist, der einfach ist. Oder noch schöner: Der das Sein zulässt.

Zugegeben, das Wort „Gedanken“ in Mark Aurels Zitat ist ein wenig heikel, aber zumindest für mich, habe ich erkannt, was er damit sagen wollte. Schlussendlich sind ja alles Zitate aus der Zeit durchaus dehnbar. *lacht*

Ich behaupte also, dass du deine Wahrnehmung bewusst steuern kannst. Natürlich kannst du dir jeden Tag einreden: Ich bin ein kleiner, alternder Grieche mit Geheimratsecken, haarigen Schultern und ohne Talente. Niemand liebt mich und ich werde alleine sterben.

Klar, das ist eine Möglichkeit. Oder aber du kannst sagen: Ich bin für meine 1,71 und meine bevorstehenden 30 Jahre ein durchaus ansehnlicher Mann, dessen Gesicht von Reife und vielen Erlebnissen kündet. Nicht jeder liebt mich, aber die, die es tun, meinen es so. Ich werde nicht alleine sterben.

Das war jetzt ein banales Beispiel. Noch ein simples Beispiel:

Ich könnte jedes Mal laut aufheulen, wenn ich die Gemeindebauten in Favoriten erblicke, ich könnte jedes Mal wutentbrannt kreischen, wenn ich im Westbahnhof unterwegs bin und die wölfischen Schurken mich aus ihren furchtbaren Augen anstieren wie wildes Getier, ich könnte jedes Mal den Herrn um Vergebung bitten, wenn ich zu meiner Frau nach Linz fahre und sich am Hauptplatz Rotten von Hooligans zusammentun und die Stimmung vermiesen.

Ja, das könnte ich.

Aber ich könnte genauso gut mit einem Gefühl großer Abenteuerlust durch Mordor schleichen, den Orks und den schirchen Halbtrollen aus dem Weg gehen, um die Prinzessin in ihrem Turm zu besuchen.

Da sieht die Welt schon ganz anders aus! Und mit ein, zwei Gläschen Talisker gewinnt das Ganze auch schon deutlich an Magie.

Ich möchte darauf hinaus, dass deine Wahrnehmung, dafür sorgt, ob du gut oder schlecht drauf bist. Darüber haben wir in den Ansichten eines Troubadours schon mehrmals geplaudert. Und nun kehren wir zur Achtsamkeit zurück. Wenn es dir schon mit so konkreten Übungen deine Wahrnehmung zu „hintergehen“ gelingt, wie groß ist dann erst das Resultat, wenn Achtsamkeit und Bewusstheit ins Spiel kommen!

Ich verspreche dir, lieber Leser und hübsche Leserin, dass das achtsame Beobachten und der liebevolle Umgang mit deinen Themen (und mit dir selbst) deine Wahrnehmung MASSIV beeinflussen werden.

Es gibt nichts Einfacheres und gleichzeitig nichts Mächtigeres als die Achtsamkeit. Ich wage sogar, zu behaupten, dass ein achtsames Leben bedeutet, mit dem Tao zu gehen. Aber gut, wer bin ich schon, zu behaupten, das Tao ergründet zu haben?

Das muss wohl jeder für sich herausfinden. Die Erkenntnisse aller Lebewesen vereinigen sich dann zu einer universellen Wahrheit, die die Form von Yin und Yang trägt und den Aliens, die uns gerade kontrollieren, einen entzücktes „Wow!“ entlocken wird.

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Tja.

Und um die literarische Brücke zum Thema „Aufräumen“, mit dem wir den Aufsatz eröffnet haben, zu schlagen: Aufräumen und Achtsamkeit haben sehr viel gemeinsam.

Als ich meinen alten Schmuck entstaubte und sorgfältig in kleine Kisten verpackte, die ich fortschaffte, war mir, als würde ich mein vergangenes Ich, das ich so oft verteufle, irgendwie akzeptieren. Dasselbe fühlte ich, als ich alte Unisachen in Tüten (Sackerl) packte und forttrug, als ich CDs, Bücher und Souvenirs trennte und liebevoll behandelte und vor allem, als ich sämtliche Briefe, die ich allesamt aufbewahrt hatte, alle Flyer und Pressemateriealien meines Lebens und alle Konzerttickets, die ich nie weggeworfen hatte, trennte und zusammen mit der kleinen Kiste, in der einige meiner Fotos aus Kindertagen aufbewahrt sind, an einen sicheren Ort brachte.

Alles bekam seine Ordnung. Und diese wiederum war dem Schoß eines achtsamen Geistes entsprungen, desselben Geistes, an dessen Busen sie sich nun nährte.

Gott, war das geschwollen ausgedrückt. *lacht*

Probier’s mal.

Bring Ordnung in deinen Arbeitsplatz oder dort, wo du die meiste Zeit verbringst. Geh achtsam mit dir, deinen Gegenständen und deinen Themen um. Löse dich von deiner Vergangenheit, aber verteufle sie nicht; vergrab sie respektvoll an einem Ort, den nur du alleine kennst.

Und dann, dann richte den ungetrübten Blick deines erwachten Geistes auf die Gegenwart. Betrachte die Maserung des Holzes, welches als Tischplatte dient, sieh dir genau die Oberfläche des Kaffees an, der gerade neben dir steht und verheißungsvoll duftet, spüre den uralten Sessel, auf dem du sitzt, spüre deinen Körper, deine Finger, die gerade die Schreibfeder betätigen. Verschmelze mit deiner Arbeit.

Werde eins mit dem, was in dir schlummert, führ es beinhart aus und hinterlasse dieser Welt ohne viel Gejammer deinen Abdruck.

Das war das Wort zum Montag, der zwar ein Feiertag sein mag, aber niemandem verbietet, sich der Arbeit hinzugeben.

Danke fürs Lesen, mein Freund und meine Freundin.

Die Macht sei mit dir.

 

Dein Troubadour

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

Ansichten eines Troubadours, Woche 25: „Von Alien zu Alien“

Hallo und herzlich willkommen zu Woche 25 in den Ansichten eines Troubadours! Na, alles okay?

Was macht dein Fühlen-Denken-Tun-Konstrukt? Hast du diese Woche ein paar gute Entscheidungen getroffen? Verantwortung übernommen? Deine Mitmenschen inspiriert?

Falls nicht, macht das überhaupt nichts, denn heute beginnt eine komplett neue Woche und du hast die Möglichkeit, ganz von vorne zu beginnen.

Ist doch nett, oder?

Auch ich bin heute aufgewacht und dachte mir „Ich trink nie wieder“, bevor ich mich an meinen Schreibtisch setzte, um mit dir über die fragilen Mysterien zu quatschen, die mich wieder einmal beschäftigen.

Bevor wir fortfahren, will ich, dass du kurz auf Google gehst und dir Bilder von Kornkreisen ansiehst. Einfach „Kornkreise“ googlen.

Hübsch, nicht wahr?

Es handelt sich dabei um hochkomplizierte Muster innerhalb von Kornfeldern, die sozusagen über Nacht entstanden sind. Dabei wäre der logistische Aufwand – wie sich auch bei den zahlreichen Fälschungen gezeigt hat – immens. Und selbst wenn die Fälschungen gelangen, waren sie nach näherem Betrachten unvollkommen und nicht astrein; sie waren nicht ganz symmetrisch und das Gras war nicht sanft gewölbt, sondern gänzlich umgeknickt und kaputt.

Wie ist es also möglich, dass über Nacht – wir sprechen hier von Farmen und Sperrgebieten, die völlig unzugänglich waren (die meisten davon in Südengland nahe Stonehenge) –perfekte, auf den Millimeter genau ausgecheckte Muster entstehen? Und noch viel wichtiger: Wieso zum Teufel spricht kaum ein Mensch darüber?

Ich geriet wieder einmal in Fragerei. Wissend, dass die Dunkelheiten, in die ich spähen würde, mir Schmerzen bereiten würden, begab ich mich in den infernalen Schlund, der den Fragenden zu jeder Stunde erwartet. So groß die Schmerzen auch sein würden: Schlimmer als die Lüge, in der ich lebte, hätten sie nicht sein können.

Ich fragte mich also ein weiteres Mal mit zusammengepressten Lippen und enttäuschtem Kopfschütteln, was es mit diesen unfassbaren Kornkreisen auf sich hatte. Ich fragte mich auch, wieso im nordafrikanischen, mesoamerikanischen und – wie wir mittlerweile wissen und darüber schweigen – arktischen Raum gewaltige pyramidale Bauwunder errichtet wurden; und das so ziemlich zeitgleich und in einer Ära, in der der Bau solcher Konstrukte vermutlich unmöglich gewesen wäre.

Ich fragte mich, wieso auf den Reliefs vieler dieser Pyramiden ganz unverkennbar Raumschiffe und Raumfahrer abgebildet sind.

Ich fragte mich, wieso bei Indianern Objekte aus Skandinavien und in Wikinger-Gräbern kleine Buddha-Statuen aus China gefunden wurden und in den Geschichtsbüchern dennoch nichts über eine Globalisierung der Welt lange vor unserer Ära erwähnt wird.

Ich fragte mich, wieso der Steinkreis Stonehenge aus der Jungsteinzeit existiert, und der – wie sich nun herausstellte – lediglich das Zentrum eines noch viel gewaltigeren Musters darstellt, welches zu errichten unerträgliche Mühen gekostet hätte.

Ich fragte mich, wieso in Ezechiel im Alten Testament sich der Bauplan eines flugfähigen Konstrukts wiederfindet, welches tatsächlich eins zu eins, auf die Königselle genau, ein Raumschiff darstellt.

Ich fragte mich, woher Lukian die Inspiration für seine Science-Fiction Romane bezog, in denen eindeutig Wissen vorkommt, welches ein Mensch aus seiner Zeit einfach nicht besessen haben konnte.

Ich fragte mich auch ein weiteres Mal, wieso die alten Griechen so viel über unsere Planeten wussten, ja sogar wussten, in welchem Ton jeder von ihnen schwingt.

Mit der Befürchtung ein Verschwörungstheoretiker oder Ufologe gescholten zu werden, gestand ich mir ein: Sie sind unter uns.

Und sie waren schon immer unter uns.

 

*sieben-Sekündige-Gedankenpause*

 

Schon im Taumel, fragte ich mich anschließend: Wieso, um Himmels willen, starb der Neandertaler aus, während sich der weitaus schwächere, krankheitsanfällige und dümmere Homo Sapiens durchsetzte? Wieso starb eine Version des Menschen plötzlich aus, die überlegen war, größer, stärker und weitaus intelligenter?

Vielleicht weil der Planet Erde nur ein Schauplatz für Experimente war und/oder ist? Ein Ort, in dem Kreuzungen stattfanden, ein sogenannter Betatest, wie ich mir oftmals dachte?

Wer versichert dieser leicht zu kontrollierenden Herde, dass sie autark ist? Ja, dass sie überhaupt real ist?

Liegt es nicht nahe, dass eine weitaus höherentwickelte Spezies – nicht unbedingt eine uns feindlich gesinnte – die Strippen zieht? Ergibt die Annahme, dass die Bevölkerung der Erde das Produkt experimenteller Kreuzungen ist, die ihren Ursprung womöglich woanders hat, und hier unter der Kontrolle Mächtigerer ihr absurdes, nichtiges Dasein stiftet? Könnte es nicht sein, dass weitaus Mächtigere „herabgestiegen“ sind, um Stonehenge, die Pyramiden, die Nazca Linien, Puma Punku, Göbekli Tepe und, und, und zu erschaffen, den Menschen das Rad und den Ackerbau beizubringen und sich aktiv ins Geschehen einzumischen? Waren das die „Götter“, die schon so früh aufkreuzten und den Menschen so wichtig wurden? Sind die Menschen ihre Sklaven?

Ich mein, ganz ehrlich: Wieso gab es in so vielen Jahrtausenden Menschheitsgeschichte insgesamt nur ein paar Jährchen Weltfrieden?

Vielleicht, weil jedes Mal, wenn die Menschheit kurz davor steht, voranzuschreiten, ein Krieg ausbricht? Ein weiterer Krieg, in dem es um Macht und Religion geht oder aber ein Krieg, von dem wir gar nicht wissen, warum er existiert?

Vielleicht weil, wenn die Menschheit sich zusammentut, interstellares Reisen und die Beendigung von Krebs endlich greifbar werden würden? Die Unsterblichkeit?

Wäre das nicht zu gefährlich? Könnten wir, so wie vielleicht auch der Neandertaler, eine Bedrohung für die Anderen werden?

Könnten die Aliens uns stets gegeneinander aufhetzen? Und wieso stellen sie sich so wenige Leute diese grundlegenden Fragen? Wer kontrolliert das? Menschen? Aliens?

Mit Schaum im Mund und Furcht im Nacken, kapitulierte ich und sagte leise zu mir: Sie sind unter uns.

 

*sieben-Sekündige-Gedankenpause*

 

Tja.

Wenn die Aliens schuld sind, dann ergibt zumindest auch Sinn, warum spirituelle Richtungen, die im Kern interessant sind, sehr bald zu Religionen, zu Institutionen und schließlich zu Verbrecherorganisationen werden, die die Welt regieren.

Die Herden werden zusammengehalten und der Schrecken ist umso wirkungsvoller, solange es auch noch die Möglichkeit gibt, eben diese gegeneinander aufzuhetzen.

Wieso sehe ich das vor meinem geistigen Auge so klar und deutlich? Bin ich verrückt? Bin ich, wie ich mich schon vor vielen Blogposts fragte, eine Fehlkonstruktion? Werde ich, wenn sie drauf kommen, plötzlich von der Bildfläche verschwinden? Oder noch schlimmer: Sind sie vielleicht schon längst alle weg und die Erde ist nur mehr das verlassene Überbleibsel eines Labors? Der zurückgelassene, aufgegeben Schauplatz gescheiterter Experimente?

Wieso stellen sich so Wenige diese Fragen und nehmen ihre Realität als bare Münze? Weshalb artet das Ganze schnell aus und wird zu einem lächerlichen Geschwätz von wegen Verschwörungstheorie. Können wir nicht einfach bei den Fakten bleiben und unser Gehirn, auch wenn es weniger Kapazität als dieses des Neandertalers hat, benutzen?

Aber nicht doch!

Die reale Welt nimmt uns doch schon völlig in Anspruch. Die Ablenkungen kennen kein Ende. Unablässig verspüren wir den Drang zu essen, zu schlafen, zu vögeln und Geld zu verdienen.

Keine Chance.

Wir befinden uns in einem Käfig. Eingesperrt wie wildes Getier und doch schon längst konform mit diesem Umstand.

Locked in a cage. 🔒 Check out my #Blog also! Have a good week!

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Ich begreife mittlerweile, wieso ich Angst vor Särgen, engen Aufzügen, der Dunkelheit, fixen Anstellungen und dem Heiraten habe.

Das alles ist nur eine primitivere Zuschaustellung einer weitaus tiefer gehenden Angst vor dem Verlust der Freiheit.

Nichts ist mir wichtiger als meine Freiheit. Und ich spüre jeden Tag deutlicher und deutlicher, dass es diese nicht gibt. Die Gedanken sind nicht frei. Alles verläuft nach den geordneten Bahnen des Gehirns, das in seiner Beschränktheit geradezu putzig ist. Und selbst zu erkennen, wie unmöglich es ist, die Gitterstäbe zu durchbrechen, ändert nichts an der Tatsache, dass die Gitterstäbe da sind.

Meine letzte Hoffnung ist die Erleuchtung.

Weißt du, das Leben könnte so viel einfacher sein. Der Atheist zum Beispiel hält sich ganz bewusst fern von all diesen Merkwürdigkeiten. Er akzeptiert die Tatsache, dass die Dinge so sind wie sie sind, dass es nur diese Realität gibt und zerbricht sich seinen hübschen Schädel nicht weiter. Eine Einstellung, die ich bewundere, und immer wieder versucht habe, mir anzueignen.

Aber ich kann nicht. Ich bin undankbar. Ich will mehr. Ich will sehen, ich will verstehen. Und obwohl ich weiß, dass das nicht passieren wird, kratze ich weiter an der Oberfläche einer Bibliothek, die sich mir in diesem Leben vermutlich niemals offenbaren wird.

Wo bleibt da noch der Trost?

Wie kann man in irgendeiner Form mit sich und dieser kalten Welt leben, wenn man doch weiß, dass das alles nur eine Farce ist? Dass man eh nur ein kleiner Erdling ist, der völlig unwissend zur Welt kommt und diese wieder verlässt?

Eine Weile brütete der Troubadour schweigsam vor sich hin und nippte an seinem Tee, wobei eine nicht ganz unpassende rhetorische Pause entstand.

Nun. Vielleicht liegt die Schönheit ja genau darin? Vielleicht ist das Gefühl des Glücks, das wir zwischendurch verspüren, Beweis genug, dass das Glück – der Sinn – tatsächlich existiert. Und ob es sich dabei um chemische Prozesse im Hirn handelt oder aber um etwas Göttliches, sei dahin gestellt.

Solange der Mensch fähig ist, glücklich zu sein, kann er doch davon ausgehen, dass er diesen Zustand wiederzuerlangen in der Lage wird sein können, oder?

Ich weiß es nicht, ich stelle, wie dir vielleicht auffällt, während des gesamten Blogposts fast keine einzige Behauptung auf. Ich stelle nur Fragen. Das ist alles, was ich tue.

Ein Freund von mir hat neulich eine wunderschöne Metapher verwendet, als wir in den Tiefen der Nacht über Realität, Seele und Aliens sprachen. Er sagte: Der Atheist ist gesegnet, ja. Weil er stellt sich weder diese quälenden Fragen, noch hat es auf ihn irgendeine Auswirkung, ob jetzt Aliens, Götter oder Zufälle für die Mysterien des Universums verantwortlich sind.

Der spirituell Suchende jedoch kasteit sich jedes Mal aufs Neue, indem er eine Brille aufsetzt, die ihm für wenige Sekunden eine etwas klarere Sicht gewährt. Diese Brille zwickt unheimlich und bohrt sich ins Fleisch und es tut höllisch weh, sie aufzusetzen. Aber für ganz kurze Zeit gewährt sie deren Träger Einblick in etwas Anderes, Größeres.

Das hat mir gefallen.

Und obwohl ich weiß, dass diese Brille mir lediglich winzige Häppchen offenbaren wird, dass ich womöglich nur ein von Aliens gezüchteter Klon bin und dass alles, was die Schulen uns lehren, vollkommen irgendwas ist, bin ich gerade in der Lage zu behaupten: Der Pfefferminztee, den ich gerade in mich geleert habe, war köstlich. Und die sieben Gläser Weißwein, die ich gestern zu mir nahm, waren es auch.

Ebenso weiß ich, dass, wenn ich jetzt ins Studio gehe, um meine Albumaufnahmen zu beenden, mich wieder eine Welle der manischen Euphorie packen wird bei den Liedern, die ich selbst erschuf.

Und das allein ist Trost genug.

Wenn wir wirklich von Aliens regiert werden, wer hat dann die Aliens erschaffen?

Eben.

Mag sein, dass sie unter uns sind und dass die Regierungen oder bestimmte Leute den Befehl tragen, dieses Wissen einstweilen geheim zu halten, aber ganz ehrlich: Who cares?

Ich wollte lediglich ein weiteres Mal etwas, was für Suchende selbstverständlich ist, ansprechen und uns alle daran erinnern, dass nichts so ist wie es scheint und dass jeder für sich alleine forschen und suchen muss.

Das ist alles, was ich mit diesem Beitrag bewirken wollte. So von Mann zu Mann oder zu Frau, oder besser noch: Von Wirt zu Wirt, von Alien zu Alien.

In diesem Sinne: Lass uns heute schaffen! Lass uns die Welt zu einer Besseren machen und den Aliens in ihren Büros zeigen, dass wir nicht alle, wie die blinden Herden sind, die sich bis in alle Ewigkeit die Köpfe einschlagen werden.

Niemals.

Wir sind das Syndikat der Semi-Erleuchteten. Die Bruderschaft der Lichtbringer.

Hier, am Futtertrog der Geknechteten.

Wir sehen uns! Ob in dieser Dimension oder einer anderen, wird sich noch herausstellen.

Adieu!

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

Ansichten eines Troubadours, Woche 24: „Die Saitenspannung des Bewusstseins“

Einen wunderschönen Montagmorgen, frohe Ostern und einen sanften Wochenstart wünscht dir dein Troubadour!

Alles im Grünen? Hat der Osterhase brav Ostereier versteckt? Den Frieden verkündet und Eierkuchen verteilt?

Zu mir ist er auch gekommen. Allerdings als Lammbraten verkleidet, dessen Säfte, jedes Mal, wenn sie auf die Glut tropften, eben dieser ein genüssliches „Zsch“ entlockten. Dazu gab es Tsipouro, griechischen Wein, Innereien, Salat, Süßkartoffeln und Tsatsiki. Kurz; es war ein Fest der Sinne. Ein Moment der Entspannung, eine erfrischende Oase in der Wüste eines überstrapazierten Lebens, das ausschließlich von Arbeit, Vorwurf und innerer Unruhe gelenkt wird.

Ein guter Tag.

Nun sitze ich an meinem Schreibtisch, der mit Papieren, selbstgezeichneten Landkarten und Schreibzeug bedeckt ist, und widme mich meinem Blog.

Worüber wollen wir heute sprechen, lieber Leser und süße Leserin?

Neulich habe ich versucht, dir meine Meinung zur Diskrepanz zwischen Fühlen und Denken ein wenig aufzuzeigen, was mir wiederum den Weg ebnet, um über den nächsten Schritt zu sprechen: Der Ausführung, oder der „execution“, wie man auf Englisch sagt.

Was geschieht mit dem „Produkt“, das aus einer gesunden Verbindung von Fühlen und Denken entstanden ist?

Richtig, eine Handlung.

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Okay, Spaß beiseite: Wann ist eine Handlung „richtig“?

Ich habe mir in meinem Leben endlos viele Gedanken darüber gemacht und bin noch zu keinem Entschluss gekommen. Ich habe Kant und Aristoteles gelesen, die Bibel und die betrunkenen SMS verspielter Singlemütter um 3:38 in der Früh. Und die Antwort, die mir bislang die Beste deuchte, war: Tu, was dein Herz dir sagt.

Diese Erkenntnis, kombiniert mit dem indischen Gesetz, das besagt, dass alles, was passiert, einen Sinn hat, rechtfertigte in gewisser Weise jede meiner Handlungen. Aber nach einer Weile erschien mir dieser innere Mechanismus allzu locker und planwidrig.

Ich denke nicht, dass es SO einfach ist. Ich mein, ich glaube schon, dass es in die richtige Richtung geht, aber nur dem Bauchgefühl oder dem Herzen zu folgen, kann oftmals auch fatale Folgen mit sich ziehen. Und vice versa.

Ich behaupte also in aller Demut, dass eine Handlung erst dann in Einklang mit dem Allgemeinwohl stattfindet, wenn vorher eine Entscheidung getroffen wurde, die auf einem gesunden Verhältnis von Fühlen und Denken basiert.

Kannst du mir soweit folgen und ergibt es in irgendeiner Weise Sinn, was ich da rede?

Also, wenn ich es graphisch darstellen müsste, würde es ungefähr so aussehen: Hinspüren/Fühlen + Nachdenken/Filtern -> Entscheidung treffen -> Tun.

Falls dich das Thema interessiert, würde ich dir empfehlen, den Blogpost von vorletzter Woche (Woche 22) zu lesen. Dort spreche ich ein wenig über die Beziehung Schrägstrich das Kräftemessen von Fühlen und Denken. Aber ich kann auch jetzt gerne nochmal ein wenig darüber plaudern.

Weißt du, wie schwierig es mir fällt, das Denken zu kontrollieren, lieber Leser? Vermutlich noch viel schwieriger als dir. Ich möchte also nicht, dass du glaubst, nur, weil ich es wage, hier große Reden zu schwingen, ich hätte irgendwelche besonderen Resultate erzielt.

Ich bin noch völlig am Arsch! *lacht*

Ein Jahr lang übte ich jeden Morgen in Kombination mit bewegtem Qi Gong und Tai Chi das Stille Qi Gong, auch genannt Tao-Meditation, und suchte nach Wegen, das Denken abzuschalten. Es war mir ein Unmögliches! Obwohl ich jede Form von Visualisierung und Mantras stark reduziert hatte und mich einzig auf meine Atmung konzentrierte, schaffte ich es in den seltensten Fällen, wirklich Ruhe zu finden.

Natürlich lernte ich jeden Tag mehr und mehr über mich, aber das Denken „besiegen“ konnte ich nicht.

Die folgenden zwei Jahre gab ich mich gänzlich dem Trunk, der Lust und dem Feiern hin, was in gewisser Weise auch meditativen Charakter mit sich trug. Ich betäubte die Gedanken, ich flüchtete mich ins Delirium, das einzig von Selbsthass und Dunkelheit behelligt zu werden vermochte, ansonsten aber ganz nett war.

Long story short: Ich fand langsam heraus, dass das Ziel nicht darin liegt, das Denken „auszuschalten“ oder zu „vernichten“. Es geht darum, dessen Natur zu erkennen und es unter Kontrolle zu bringen. Es ist ein Teil von uns, genauso wie die Prozesse innerhalb des Körpers Teil von uns sind. Das Denken ist das Tool, das den Menschen zum Menschen macht und das ihn befähigt, komplexe Situationen zu meistern, zu überleben und sogar zu sprechen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich glaube, dass damit schon alles gesagt ist. Dies zu erkennen, ist schon Mal die halbe Miete. Wieso sollte der Asket das Denken verteufeln? Er verteufelt doch auch nicht seinen Fuß oder die Funktion seiner Leber?

Wir begeben uns also in eine akzeptierende, passive Haltung und nehmen unsere Natur an. Wie auch immer man das, was uns erschaffen hat, nennen mag, ob Gott oder Zufall, Fakt ist, wir können an unserer Natur nichts ändern. Wir sind hineingeboren in einen Körper und einen Geist, den wir uns nicht ausgesucht haben.

Machen wir das Beste draus. Geben wir dem Licht in uns, welches manche „Seele“ oder „göttlichen Aspekt“ nennen, eine Chance, sich voll und ganz zu entfalten.

Je weniger Techniken, Methoden und Ideologien (von Religionen ganz zu schweigen) im Spiel sind, desto natürlicher wird dieser wunderschöne und lebensbejahende Weg vonstatten gehen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung und selbst ich sitze hier und verfasse viel zu viele viel zu leere Worte über etwas, worüber zu sprechen eigentlich absurd ist.

Es geht nur um das achtsame Beobachten, das sich Konzentrieren auf den Atem und den natürlichen Wunsch, der weder Wille noch Eifer ist, glücklich und frei zu sein.

Amen.

Ich erinnere mich auch an einen Moment, der noch viel weiter zurückliegt, als ich nicht ganz gesund war und sehr viel Sport und Yoga machte. Es war einer dieser Momente, in denen ich die Beschränktheit des Denkens voll und ganz begriffen und liebevoll akzeptiert hatte! Ich war Eins. Ich fühlte das Potenzial. Begriff, wie schön das Leben sein kann, wenn man’s richtig macht.

Diesen Zustand zu kultivieren und zu einem Dauerhaften zu machen, ist mein einzig’ Bestreben.

 

*sieben-sekündige-Gedankenpause*

 

Ja, soviel dazu.

Bist du auch davon überzeugt, dass Entscheidungen und Handlungen, die einem solchen Wesen entsprungen sind, viel mehr bewirken könnten? Oben genannter Zustand würde, so vermute ich, auf Dauer zu rückgrathaltigen Entscheidungen und somit zu eben jener Umsetzung führen, die ideal für das Individuum ist. Die Handlungen, die ein Mensch, dessen Entscheidungsfähigkeit ungetrübt und einem gesunden Verhältnis von Fühlen und Denken entsprungen ist, werden viel reflektierter und nachhaltiger sein, so meine ich.

Wäre es nicht schön, die Entscheidungen zu treffen, die uns als Menschen weiterbringen können? Wäre es nicht unfassbar zufriedenstellend, genau das zu tun, was wir uns in unserem tiefsten Herzensgrund wünschen? Herauszufinden, wer wir sind? Der Welt etwas von Wert zu hinterlassen und all Jene zu inspirieren, die im Dunklen tappen?

Und diese großen Taten, die wir uns vornehmen, beginnen mit nur einem Zauberwort!

Achtsamkeit.

Stell dir das liebevolle Beobachten eines Kindes vor, das durch die Welt schreitet und völlig fasziniert ist von den Bildern, die es überhäufen. Es wertet nicht, es fühlt und beobachtet einfach.

Ein weiterer Punkt, den ich aufgezeichnet habe und der ausgesprochen interessant ist, ist Folgender: Dieses Konstrukt, beziehungsweise, das achtsame Beobachten des inneren Fühl- Denk- und Entscheidungsprozesses wirkt auch gegen Trägheit.

Der Grund, wieso ich in meinem Leben oftmals untätig blieb, war (neben Faulheit, Trägheit und Selbstzweifeln (und Kater) *lacht*) eben dieser: Unentschlossenheit.

Es gab keinen Motor. Es gab keine Fabrik, die logische Entscheidungen zu fällen in der Lage war.

Ich habe festgestellt, dass Bewusstheit, Achtsamkeit und eine natürliche Liebe zu den Gegenständen (und den Ideen. Warum benutze ich gerade so viele Klammern? Meine Deutschlehrerin würde mich lynchen) Wunder bewirken können. Man handelt mit viel mehr Rückgrat und – und das ist das Allerwichtigste – man geht öfter mit einem guten Gefühl zu Bett.

Ein Beispiel: Ich habe endlich meine neue Gitarre mit den Hölzern und Maßen, die ich will, und forsche derzeit nach dem „idealen“ Sound. Dabei spielen der Verstärker, das Pickup, das Mikrophon, die Wahl der Saiten und deren Spannung, die Regelung sämtlicher Schalter, ja sogar das Kabel und viele andere Faktoren eine entscheidende Rolle. Kurz: Es ist a Hacken!

Aber ich denk mir, zumindest in diesem Punkt – nämlich meinem Beruf, ganz gleich wie teuer und brotlos zugleich er ist (*facepalm*) – MUSS ich Achtsamkeit walten lassen. Und es fühlt sich wirklich gut an. Ich verschmelze mit einer Tätigkeit, forsche, probiere und mache die Gitarre ein weiteres Mal zu einem Teil meines Armes.

Das ist der passendste Vergleich, den ich zu dieser Thematik anstellen kann, und, da es sich dabei wirklich um mein Leben und meine Erfahrungen handelt, auch der Glaubwürdigste. Hier noch ein kurzes 60-Sekunden-Video mit der neuen Gitarre:

 

Verstehst du, worauf ich hinauswill? Wenn du diesen Sachverhalt auf dein Berufsleben projizieren würdest, was käme dabei heraus? Glaubst du, dass das Ganze erst Sinn macht, wenn der eigene Beruf auch eine Berufung ist, so wie in meinem Falle? Oder könnte es aber sein, dass ein Beruf, den man verachtet und nur aus Not heraus ausübt, einem mehr Freude bereiten wird, sobald Achtsamkeit und die daraus geborene Verantwortung ins Spiel kommen?

Ich persönlich bin da überfragt, aber die Fragestellung find ich irgendwie interessant. Lass uns ein wenig darüber nachdenken.

Ja, ich hoffe, ich konnte dir mit meinem wirren Gelaber ein wenig Inspiration und Freude an diesem regnerischen Tag verschaffen. Lass uns diese Welt zu einem besseren Ort machen, lass uns in unserer Arbeit brillieren und die richtigen Entscheidungen treffen!

You can do it!

Cheers ladies! #haveaniceweekend #winelovers #vienna

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Apropos Gitarren:

Diese Woche, lieber Leser, wird’s was geben, denn ich spiele am Freitag mit drei hochkarätigen Gitarristen im Rahmen des Gitarrenfestivals zu Wien im ORF Radiokulturhaus. Ich teile die Bühne mit meinem guten Freund Flaco de Nerja, mit Rainer Maria Zehetbauer, deren Fingerfertigkeiten schlicht und ergreifend verblüffend sind, und zum ersten Mal auch endlich mit einem meiner Lieblingsgitarristen überhaupt, nämlich Mahan Mirarab, dessen Oriental Jazz ich seit jeher bewunderte.

Jungs, es ist mir eine Ehre!

Schau vorbei, wenn du Zeit und Muße hast, lieber Leser. Und falls beides davon fehlt: Die Show wird Live übertragen im Radio.  Hier der Link zu Beidem.

Ja, soviel dazu.

Danke fürs Lesen! Es bedeutet mir unendlich viel, dass du es geschafft hast, dich bis hierher durchzukämpfen.

Falls du Fragen hast bezüglich der oben besprochenen Thematik, kannst du mir jederzeit eine Nachricht schicken oder einfach den Beitrag auf Facebook kommentieren!

Vergiss auch nicht, mir auf Instagram zu folgen. *lächelt*

 

Schöne Woche noch und alles, alles Liebe!

 

Jannis

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)

Ansichten eines Troubadours, Woche 23: „Von Gastwirten, Postboten, Ärzten und Trauzeugen“

Hast du auch manchmal die Befürchtung, dass Gastwirte, Postboten, Ärzte und Trauzeugen in Wirklichkeit ein- und dieselbe Person sind? Du irrst wie ein Fremder durch den Platanenhof und jeder, dem du von deiner Theorie berichtest, sieht dich mit gerunzelter Stirn und Besorgnis an, bevor du schließlich, laut rufend „Und wer bin dann ich?“ umkippst und die Lichter ausgehen.

Genauso erging es mir letzte Nacht, bis ich schnaufend wie ein Blasebalg aus dem Schlaf hochschreckte und in schäumendem Delirium feststellte, dass das alles nur ein Traum gewesen war.

Kennst du das? Nein?

Okay, dann gratuliere ich dir.

Falls du jedoch, so wie ich, keine Übereinkunft mit deinem Realitätsquotienten findest, dann kann ich dich beruhigen: Der Moment, in dem du dir ganz nonchalant denkst „Scheiß drauf“, ist der Moment, in dem alles bergauf zu rollen beginnt.

Vertrau mir. Mit dem Areal kenn ich mich aus.

Ich geriet also in einen heftigen Sturm aus Wärmeschauern und auditiven Halluzinationen, als die Übermüdung mich ins Reich der Träume nötigte. Und wir alle wissen: Diese Equipage wird von Charon höchstpersönlich gelenkt.

Alles verschwamm langsam aber sicher ins Fratzenhafte. Wäre ich dem Wahnsinn nicht schon oft zuvor begegnet, hätte ich mich vermutlich gefürchtet. Nun jedoch nahm ich die Astralreise mit dem kühnen Blick des Wissenden an, mit der Überzeugung und der Stirnfalte eines Mannes, der in seinem Leben bereits zu oft abgedriftet war, um jemals wieder ins Bürgertum zurückkehren zu können.

Ich war ein Bergsteiger, der die höchsten Gipfel erklommen. Und ich kehrte zurück, um einen weiteren Berg zu besteigen.

Den Wogen des nicht erklärbaren Zustandes namens Träumerei entsprangen verzerrte Gesichter, Musik fern jeden tonalen Zentrums und Aromen, die ich niemals zuvor gerochen. Ich gelangte in eine griechische Taverne, über deren Tresen seltsamerweise eine riesenhafte amerikanische Flagge prangte. Der Gastwirt, ein Grieche mit ebenmäßigen, edlen Zügen, gesundem Bartwuchs und strahlendem Auge, sprach zu mir. Er hatte einen starken amerikanischen Akzent und faselte irgendetwas von Farbeimern, die ich nicht weggeräumt hätte. Dabei versäumte er nicht, mich darauf aufmerksam zu machen, dass seine Bezahlung noch ausbliebe.

Ich hörte eines meiner jüngeren, noch unveröffentlichten Lieder in meinem Kopf; „Lullaby for Lady Liberty“. Ich sah die Freiheitstatue hinter dem Wüterich aufragen, und wenngleich sie von Innen hohl war und ihr Feuer in geradezu polemischer Ergriffenheit und falschem Nationalismus gen Himmel streckte, fühlte ich ein weiteres Mal – ja selbst im Traum! – dass ich dorthin, und nur dorthin, gehörte.

Nach Amerika. In die Neue Welt.

Dort, wo ich auf der Gosse landen würde, wenn ich nicht hart genug arbeitete. Dort, wo die Konkurrenz so groß und das Gefühl des Wettkampfes so präsent war, dass einem gar nichts anderes übrig blieb, als zum Workaholic zu werden und voranzuschreiten.

I believe… I believe that in America I will be washed clean.

Ich sah die geisterhaften, angsteinflößenden Gestalten meiner vergangenen Lieben vor der Küste von New York ertrinken, und dort, inmitten von Meerrausch und Sonnenglast überkam mich erneut dies seltsame Gefühl, das mich seit meiner Geburt dorthin gerufen. Der Ruf der Freiheitsstatue; oder noch besser: Der Ruf der Freiheit.

Tränen traten in die Augen des Enthusiasmierten. Dann verschwamm das Bild. Die Stimme des wutentbrannten Gastwirts drang nur mehr gedämpft zu mir, als ich wenig später auf einer Feier landete. Es roch nach eben jenem süßen Popcorn, welches die Zigeuner in den verwahrlosten, ja lebensgefährlichen Luna Parks von Chalkidike seit jeher anpriesen.

„Herzlichen Glückwünsch“, hörte ich irgendjemanden rufen, als mir klar wurde, dass ich auf einer Geburtstagsfeier gelandet war. Wenige Sekunden später – gibt es im Traum so etwas wie Zeit? – befand ich mich unter den Feiernden, die zu einem halbherzig gespielten Blues vor sich hin tanzten. Ich folgte ihrem Beispiel und spürte eine warme Wange auf der Meinen.

So tanzt man also Blues, dachte ich mir und erschrak, als es an der Tür klopfte. Wieso? Woher? Seit wann gab es Türen in Luna Parks?

Noch während die Tür sich wie von Geisterhand öffnete, überkam mich eine Woge der Furcht. Und noch bevor eben jener an der Schwelle erschien, den ich fürchte, wusste ich bereits: Er ist hier.

„Verzeihung“, sagte der Postbote, „ein Telegraph.“

Eine seltsame Ausweitung meines Inneren ward mir ganz überraschend bewusst und ich stieß einen markerschütternden Schrei aus, wobei ich mich an die Beine einer Frau klammerte, die ich nicht kannte.

„Bitte hier unterschreiben“, hörte ich den Postboten zu einem der weiblichen Gäste sagen. Dann wünschte er eine gute Nacht und verschwand aus dem Bild.

Verstimmung befiel mich. Der Gastwirt war also zum Postboten aufgestiegen. Das Spektakel hatte sich in ein Debakel verwandelt, das Gespenst in ein Gespinst. Noch bevor ich in Erfahrung bringen konnte, worum es in dem Telegramm ging, wurde ich in eine ganz und gar furchtbare Szenerie hineinkatapultiert, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ich landete in einem Zimmer, das einst ein impressionistisches Gemälde gewesen sein mochte, nun jedoch völlig trist, leer und inspirationslos ein paar vereinzelte Möbelstücke preisgab. Doch auf dem Boden kauerte eine leblose Gestalt; ein Mädchen von entzückender Grazie und Schönheit, das vergiftet worden war.

„Holt einen Arzt, holt einen Arzt“, riefen mehrere Stimmen gleichzeitig und plötzlich geriet das Stilleben in Aufruhr.

Sie hätte Gift geschluckt und sich das Leben genommen, der Arzt wäre auf dem Weg.

Stumm wartete ich ab. Es gelang mir nicht, die Gesichter der Anwesenden zu ergründen. Warum auch? Waren sie überhaupt? Oder bestanden diese Gesichter aus nur einem Pixel? Wie viel Budget hatte dieser Traum? Wer investierte in meine Träume? Woraus bestanden Träume? Gab es ein Archiv, in dem alle Träume, die je geträumt worden waren, aufbewahrt wurden? Konnten Tiere träumen?

Feststand: Ich war ein Tier und ich war nicht beschädigt. Ich war ein kleiner Vogel, der vorübergehend seinem Käfig entflohen war.

Der Arzt kam.

Und ich geriet in Panik und Geifer, als er sich über das tot geglaubte Mädchen beugte und – während sein Stethoskop zum Einsatz kam – eine Augenbraue hob und mir einen wissenden, mahnenden Blick zuwarf, der sich wie eine Harpune in mein Gedärm bohrte. Hilfe, dachte ich mir. Hilfe!

Ich schuldete ihm Geld. Ich hatte ihn entehrt. Beinahe wollte ich in der Position des vergifteten Mädchens sein, so sehr fürchtete ich das Gericht, das mich erwartete. Der Gastwirt hatte den Postboten hinter sich gelassen und war nun zum Arzt geworden. Ich – nur ich allein! – wusste das. Und obwohl Todesangst mich erstarren ließ, packte mich auch eine seltsame Euphorie, ein Gefühl der Überlegenheit, da ich dies wertvolle Wissen in mir trug. War Wissen nicht die einzige Kraft, die einen Dämon solcher Natur zunichte machen konnte?

Wieder verschwamm das Bild und ich erfuhr nie, was aus dem Mädchen geworden war. Ich landete inmitten einer Hochzeit. Die Hupen der Taxis drangen an mein Ohr und vermischten sich mit dem „Lullaby for Lady Liberty“, das wahrheitsgemäß gegen Ende hin zu einem Pattern zwischen G-Moll Sieben und F-Moll Sieben ausartete und in einem diskolastigen Beat vor sich hin groovte.

„Die Taxis, die Taxis!“

Ich wusste nicht, ob es meine Stimme war, die erklang, oder die eines Anderen. Ich stellte jedoch fest, dass Bräute und Bräutigame plötzlich aufkreuzten und das Geschehen noch Surrealer machten, als es sich ohnehin schon anfühlte. Und ich? Ich war mitten unter ihnen.

Dann kam er.

Jener, den sie Trauzeuge nannten. Jener, dessen mahnender Blick mich traf und meine Eingeweide zum Brennen brachte. Der Rachedämon, der mich verfolgte. Und niemand, niemand konnte mich verstehen.

Die Institution namens Hochzeit präsentierte sich mir in diesem Augenblick in all ihrer falschen Frömmigkeit. Es wurde geheiratet, weil es sonst nichts Besseres zu tun gab. Es wurde Liebe empfunden, weil alle anderen Empfindungen fad zu schmecken begonnen hatten. Jeder hätte jeden lieben können. Es hätte nichts am Lauf der Dinge geändert. Es hätte nicht einmal etwas an meinem inszenierten Traum geändert.

„Sind Sie nicht der Gastwirt?“, kreischte ich manisch. Man verneinte. „Auch nicht der Postbote?“ Erneut erhielt ich ein Nein als Antwort. „Dann sind Sie auch nicht der Arzt?“ Nein.

Panisch, mit Schaum im Mund und blutigem Auge, erbebend und nass brüllte ich schließlich mit tränenüberströmtem Gesicht: „Und wer bin dann ich?“

Ich erwachte. Kalter Schweiß klebte auf meiner Stirn. Meine ergrauende Schläfe pochte. Ich erfreute mich des Bloggens und noch mehr der Tatsache, dass das alles nur ein Traum gewesen.

Nun sitze ich teetrinkend am Schreibtisch und walte meines Amtes wie ein guter Zollbeamter. Mit dem seligen Gesichtsausdruck, den der April in uns hervorzulocken vermag, neige ich mein Haupt und sage dir: Danke fürs Lesen.

Ebenso möchte ich meinem Freund Theodoros herzlich für die Inspiration danken.

Falls du, lieber Leser, mir auch von deinem Traum berichten willst, kannst du mich jederzeit kontaktieren. Ich sehe mich heute als Zollbeamter des grotesken Traums. Warum auch nicht? Irgendwer muss ja auch diesen Job machen, oder?

In der Hoffnung, dass es dir gut geht, überlasse ich dich jetzt deinem hoffentlich gelungenen Wochenstart und begebe mich ins Fitnessstudio, wo ich mich der Leibesübung hingeben werde, wie ein guter Grieche mit narzisstischen Zügen und gleichmäßigem Bartwuchs es auch zu tun hat.

Auf die Schönheit!

Auf das einzig Göttliche, das mit bloßem Auge sichtbar ist.

Den einzigen Grund, morgens sein Bett zu verlassen.

 

Dein Troubadour

 

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)