Ansichten eines Troubadours, Mai 2018: „Nach dem Winterschlaf“

Ein herzliches Grüß Gott an alle! Nach der 6-monatigen Winterpause melde ich mich zurück und wünsche jedem ein gutes Sommersemester!

Ist es nicht wundervoll draußen? Die Vöglein zwitschern, die Eichhörnchen purzeln durch das Blattwerk und die Leute vergessen in aller Euphorie auf Hose und Schuhwerk. Aus den Gastgärten erklingt die Volksweise klirrender Gläser und auf den Straßen laufen die Leute nicht davon, wenn man sie anlächelt.

Würden Weltfrieden und Gerechtigkeit noch einkehren, könnte man ja beinahe von einem Goldenen Zeitalter sprechen.

Aber ich gestehe, dass das vermutlich zu viel des Guten wäre und überlasse diese Utopie den grenzenlosen Weiten des Konjunktivs.

Willkommen zurück also zu den Ansichten des Troubadours, hier, in der irrealen Welt des Internets, nun, im Jahr 2018. (Als ob ich einen Kehricht auf die Nummerierung verstrichener Zeit geben würde *lacht*)

Wie ist es dir ergangen, lieber Leser? Wie war dein Winter? Was führt dich zu mir und zwischen die Zeilen dieses Blogeintrages? Erwartest du trostvolle Worte über den Sinn des Lebens und die Natur des Tao? Über die Vernichtung des Egos und die Einswerdung mit dem Universum? Oder lieber einen depressiven Partybericht, in dem ich Gott und die Welt verfluche und uns einzig der Whisky übrig bleibt?

Nun. Ich habe weder das eine noch das andere zu berichten. As a matter of fact würde ich sogar so weit gehen, zu behaupten, dem Sinn des Lebens nähergekommen zu sein. Nach endlosen Debatten an den Bars von Wien, während draußen nur Schneegestöber und Todesangst auf mich warteten, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Sinn des Lebens darin besteht, zu akzeptieren, dass… ja, ich werde es aussprechen: es keinen Sinn gibt.

Das meine ich keineswegs negativ! Bitte gestatte mir, mich näher zu erläutern.

Ich habe die Natur beobachtet. Schweigsam saß ich da und sah einfach nur zu. Dabei musste ich für einige Augenblicke meinen inneren Idealisten stummschalten, ihn züchtigen, ihn vergessen. Ich musste offen sein für den Lauf der Natur. Ich sah das Krokodil die Antilope fressen, ich sah den Menschen das Krokodil jagen, ich sah das Meer den Menschen ertränken. Ich sah Planeten entstehen und vergehen, Sonnen geboren werden und explodieren. Aber vor allem wurde mir ein weiteres Mal folgende Tatsache bewusst: Alles war in ständiger Bewegung. Alles floss, um es mal in der Sprache meiner Ahnen auszudrücken.

Alles floss, alles fließt und alles wird fließen, dabei vergeht ein erfundenes Konstrukt namens Zeit. (Über die Beschaffenheit von Zeit jedoch wage ich nicht zu sprechen, da dieses Thema zu viel ist für mein endliches Gehirn. Ein kleiner Teil in mir jedenfalls beginnt zu spüren, dass Moment und Unendlichkeit dasselbe sind).

Anyway. Zurück zum Sinn. Glaubst du, dass es auf der Andromeda Galaxie irgendjemanden gibt, der sich drum scheißt, ob du hier erfolgreich, bettelarm, glücklich, bösartig oder tugendhaft bist? Glaubst du, dass all jene, die tot sind und die wir hier nach wie vor vergöttern oder verteufeln, sich irgendetwas drum kaufen können?

Natürlich nicht, denn sie sind nicht mehr unter den Menschen. Diese Welt benötigt keinen Sinn, die Natur will nur bestehen bleiben. Und, um in den Worten Jeff Goldblums zu sprechen: Das Leben findet einen Weg.

Akzeptieren wir das, so glaube ich, fällt uns ein großer Stein vom Herzen. Es ist überhaupt nicht schlimm! Krampfhaft nach einem Sinn zu suchen, obwohl ohnehin alles in bester Ordnung ist und das Universum seit Ewigkeiten so funktioniert, ist doch völlig absurd. Dein ganzes Leben lang ein Ziel anzustreben, das in den meisten Fällen nur allzu menschlich ist, nur, um dann in hohem Alter, reich an materiellen Gütern, doch leer und stumpf, zu begreifen, dass das alles keinen Sinn gemacht hat, ist doch keine Lösung!

Genieße den Moment, akzeptier, dass du nur ein winziger kleiner Scheiß in der Unendlichkeit bist und wiege dich in den Armen von Yin und Yang. Und ein winziger Scheiß in dem Ganzen zu sein, ist doch Kompliment genug! Das Universum hat Milliarden an Sternen erschaffen und dann plötzlich jemanden wie dich und mich. Das ist doch irgendwie sehr schmeichelhaft…

Der Sinn ist es, zu akzeptieren, dass es keinen Sinn gibt, keinen Grund im herkömmlichen Sinne. Nur einen Lauf aller Dinge und die tausend Aspekte des All Einen, die sich das Wunder der Natur und des Lebens nennen.

Und das ist gut so.

 

Tja, und dann meldet sich plötzlich wieder mein innerer Idealist zu Wort. Wehrt sich. Ärgert sich. Weigert sich, das zu akzeptieren. Stellt mir die Frage: „Wie ist das möglich?“

Wie ist es möglich, dass Kriege herrschen, Kinder verhungern, Unschuldige vergewaltigt, gefoltert oder getötet werden, eine lächerliche Anzahl von dreihundert Soziopathen-Nazis die Welt regiert (Öl-Geld-Kriegs-System) und der Dämon namens Geld den Planeten beherrscht und in die Knie zwingt?

Darauf weiß ich dann keine Antwort mehr und es gibt nur zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit a.) Es wird vor 2050 noch Gerechtigkeit einkehren und das Goldene Zeitalter wird anbrechen.

Möglichkeit b.) Das ist der Lauf der Dinge und Schwarz und Weiß wechseln sich immer wieder ab, wie es das Gesetz von Yin und Yang vorgibt.

Das bedeutet dann, ich muss akzeptieren, dass die Natur diesen Sozialfaschismus und die Bosheit der Menschen duldet. Und da – da! – beginnt das Problem.

Das schaffe ich nicht.

Und ständig ringen mein innerer Taoist und der Idealist miteinander, lassen mich nicht schlafen und geben mir keine Ruhe.

Das Fazit, das ich persönlich aus dem Ganzen ziehe, lautet: Abwarten, genießen, was man hat, lieben, so gut es geht, und den Lauf der Dinge akzeptieren, dabei jedoch, zumindest im Hinterkopf, darauf hoffen, dass es „besser“ werden könnte, wenn wir alle am selben Strang zögen.

Es ist eine vage Hoffnung, aber, ich denke, am Ende des Tages sind wir immer noch eine Spezies namens Mensch. Und Gefühle wie Hoffnung abzutöten, würde unserer Natur widersprechen.

Und um zum Sinn zurückzukehren: Mag sein, dass der „große“ Sinn nicht vorhanden ist, bzw. sich lediglich auf ein „Bestehenbleiben“ beschränkt, aber als Mensch hast du dennoch die Möglichkeit, dein Leben zu regeln.

Wenn du für dich einen kleinen Sinn definierst, ist das doch gut genug, oder etwa nicht?

Ich für mein Teil weiß, dass ich mit meiner Musik die Menschen treffen möchte. Dabei will ich den Planeten bereisen und das Licht überall hin tragen, wo es mir möglich ist.

Das reicht vollkommen.

Genieß den Sonnenschein und trage deine Güte in die Welt hinaus. Klammere dich nicht an die absurde Vorstellung von Perfektion und dem ultimativen Sinn des Lebens. Lebe die kleinen Dinge, als wäre es das erste oder letzte Mal. Tauche in den Moment und atme tief durch, um dich zu spüren und dich daran zu erinnern, dass dieser Planet dich trägt und für dich sorgt. Und wenn der Drang, die Welt zu retten, zu groß wird – und das sage ich vor allem zu mir selbst – dann fang bei dir an.

In diesem Sinne: Eine Runde Scotch für alle!

Schönes Wochenende, schönen Monat und viel Licht und Liebe wünscht dir

 

Dein Troubadour

 

 

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