Ansichten eines Troubadours, September 2018: „Den Berg besteigen“

Hallo und willkommen zurück zu den Ansichten des Troubadours, geschätzte Leserschaft. Ich hoffe, meinen Freunden und Freundinnen geht es gut. Ich hoffe, der sanfte Abgang des Septembers hat gemundet. Mir mundet hauptsächlich der Gemischte Satz aus der Nachbarschaft; ein edler Tropfen, der dem güldenen Herbst den letzten Schliff Romantik verleiht.

Bemerkenswert.

Hach ja, der Herbst. Laub und Blattwerk sammeln sich auf den Straßen, das Wetter schlägt seine Kapriolen ohne Rücksicht auf Verluste und die Zugvögel machen sich langsam aber sicher vom Acker. An und für sich eine schöne Zeit zum Dichten und Kreativsein.

Und dennoch… Mir persönlich fällt es schwer, die nahende Schwere zu übersehen. Die dunkle Bedrohung. Das Grauen erregende Etwas, das sich langsam anbahnt, einer trägen und gleichzeitig zielstrebigen Schlange gleich, bereit, sein Maul aufzureißen und mich zu verschlingen.

Aber gut, ich habe Probleme. Das muss nicht jeder so sehen. Tatsächlich höre ich aus etlichen Mündern so verstörende Dinge wie: „Oh Gott, endlich ist der Sommer zu Ende“, oder etwa: „Ich hasse den Sommer“ (!) oder noch absurder: „Ich freue mich auf den Winter, denn da kann ich endlich Mäntel tragen!“

Say what!?

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Tja, es wäre aber auch außerordentlich trist, wenn wir doch alle aus demselben Holz geschnitzt wären.

Anyway, genug der Smalltalk anmutenden Einleitung. Wohin führt dieser Beitrag? Was möchte ich sagen? Wieso blogge ich?

Nun, ich werde heute keine großen Reden schwingen. Stattdessen möchte ich lediglich zu Papier bringen, was mich die letzten Monate intensiver denn je beschäftigte, und falls dir meine Worte in irgendeiner Form behilflich sein sollten oder gar Inspiration brächten, habe ich mein Ziel erreicht.

Es geht wie immer um Transformation. Es geht um das Besteigen des Berges und das Loslassen des Ballastes. Es geht ums Vorankommen. Um das Aufsteigen, um es mal geschwollen auszudrücken.

Ja.

Denn wie jeder erwachende Geist, sammeln auch wir uns am Futtertrog der Geknechteten und flehen um einen Bissen Wahrheit, um einen Tropfen Klarheit. Ich mein, ganz ehrlich: Wer will schon leiden?

Doch ist das Leiden scheinbar der einzige Weg, um Voranzukommen und dies zu erkennen, raubt dem bösen Geist einen beträchtlichen Teil seiner Macht. Das Leiden muss ein unermessliches Ausmaß erreichen, um den Menschen derartig zu erschüttern, dass er keine andere Wahl sieht, als etwas zu unternehmen.

Wer zu verdrängen in der Lage ist, der hat noch nicht genug gelitten.

Oder aber, er weiß nicht, um seine eigene Kraft und verbirgt sich in den Kleidern eines Feiglings.

Es kommt der Punkt, da muss der Drache konfrontiert werden. Und glaube mir, oh Telemach, das Antlitz der Echse versetzt dir den Gnadenstoß! Genüsslich räkelt sich die Bestie in triumphaler Selbstsicherheit, versetzt dich in Agonie, spielt mit dir und reißt dir spielerisch das eine oder andere Glied ab. Dabei glühen die Augen des Scheusals in teuflischer Gelassenheit und darin spiegelt sich einzig dein vor Angst und Panik verzerrtes Gesicht.

Dieser Punkt muss erreicht werden. Der schlimmste Punkt des Leidens, der Höhepunkt der Todesangst. Denn… wie willst du den Drachen bekämpfen, wenn du vor ihm davonläufst?

Das Leiden findet bald ein Ende, sobald dieser Punkt erreicht wurde. Denn von der Sekunde, in der man dem Teufel in die Augen geblickt hat, verliert dieser einen Großteil seines Schreckens. Man weiß, woran man ist. Man weiß, dass die dunkle Macht ein Gesicht hat.

Ich bin gescheitert … Ich bin fett und hässlich und trage Wollmützen … Ich kann nichts … Ich bin nichts … Ich werde einsam und alleine sterben … Ich kann mir die Miete nicht leisten … Ich werde ewig leiden … Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden …. Das Leben hat keinen Sinn … Wir sind von den Annunaki geklont … Es gibt keine Seele …

Und so weiter und so fort. Wir alle kennen die eine oder andere dieser „Bestien“. Doch, wie ein Freund von mir neulich sagte, als wir um sechs in der Früh zerstückelt an der Bar hingen: „Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Obdachlos und einsam sterben. Und?“

Ich mein, ganz ehrlich. Da ist was dran. Warum also ständig in Angst und Zweifel leben? Ich denke, wir sind so tief in diesem Strudel gefangen, dass wir längst vergessen haben, wovor wir uns eigentlich fürchten!

Ohne Ankündigung kommen mir plötzlich all die Bibelverse des neuen Testaments in den Sinn. Wie oft nur predigte jener Prophet, wir mögen doch keine Angst haben. Er ging sogar so weit, zu behaupten, unser bloßer Glaube könnte Berge versetzen.

Und das möchte ich hiermit in Erinnerung rufen. Es gibt keinen Grund zur Furcht. Wir Kinder dieser Generation wissen nicht einmal, weshalb wir uns fürchten. Angst vor Neuem? Angst, das bequeme Alte zu verlieren?

Das zeugt einzig von einem verwirrten Geist, nicht unbedingt von einem schwachen. Umgeben von endlosem WIFI und ständigen Frequenzen, die dem Menschen furchtbar schaden, haben die meisten von uns nicht einmal die Kraft, einen klaren Gedanken zu fassen. Geld, Snapchat und unschöne Nachrichten von kaputter Politik decken alles zu. Dazwischen spielt es die „Hits von Heute“, die in ihren Frequenzen und fragwürdigen Botschaften dämonischer nicht sein könnten und vergiftetes Essen, das einem den letzten Schliff an Autonomie zu rauben versucht.

GENUG!

Lasst uns endlich aufwachen! Es gibt keinen Grund zur Angst. Diese Angst hat keinen Ursprung! Keinen realen zumindest. Da ist nichts Greifbares dran. Wir verstoßen das Leben und begehen höchste Blasphemie. Diese Ebene dauert für jeden von uns nur ein paar Jährchen und was tun die meisten? Ihre Zeit verschwenden, sobald sie „erwachsen“ sind.

Konfrontieren wir den Drachen! Stellen wir uns seinem geifernden Riesenmaul und sehen wir ein, dass nach diesem Punkt, kein ständiges Zucken mehr von Nöten ist.

Es geht nur um diesen einen Moment: hingehen oder weglaufen.

Es ist alles nur eine Frage der Richtung, in die man blickt…

Wir wissen eh alle, worüber hier geschrieben wird. Ich werde kein weiteres Wort mehr darüber verlieren. Zuletzt möchte ich nur eine Warnung aussprechen, die zu meinem täglichen Abendgebet geworden ist.

Möchtest du leben mit dem dich zu jeder Sekunde begleitenden Satz „Was wäre gewesen, wenn?“

Ich möchte das ganz sicher nicht. Lösen wir uns von dem Schlamm, der uns zu erdrücken droht. Schließen wir ab mit alten Gewohnheitsmustern, die LÄNGST obsolet geworden sind. Öffnen wir unsere Schwingen und werden wir zu Schmetterlingen. Facen wir unsere größten Ängste, anstatt vor ihnen davon zu laufen, stempeln wir sie als unbrauchbar ab und fahren wir fort.

Diese Reise hat gerade erst begonnen und um einen Berg solcher Natur zu besteigen, benötigen wir keinen unnötigen Ballast. Wir müssen uns davon trennen, ganz gleich, wie weh es am Anfang tun mag.

Der Berg wartet. Jeden Tag, jede Sekunde steht er dort. Er wartet nur darauf, bestiegen zu werden.

In diesem Sinne werde ich mich nun also empfehlen, geschätzte Leserschaft, um meine Bonzen-Wanderschuhe zu polieren und den Kahlenberg zu erklimmen.

Möge die Macht mit dir sein.

Dein Troubadour

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