Ansichten eines Troubadours, Woche 5: „Kaiser, Ritter und Scholaren“, Tag 7.

Sonntag – Kinotag!

Heute brauchen wir dringend Ruhe.

Wie läuft’s bei dir? Wie war dein Samstagabend? Wie umfangen dich die Wogen des Sonntages?

Ich habe mir zu Mittag trotz Hangover und Kälte einen ausgedehnten Spaziergang gegönnt. Die Wiener Innenstadt war in goldenes Licht getaucht, die fahrenden Scholasten hatten ihre Gesichter hinter dicken Kapuzen verborgen.

Der Kasus machte mich lachen.

Lachen, ohne d. Nicht lachend. Das ist ja die Genialität des Satzes. Klick auf Like, wenn du weißt, wovon ich gerade spreche.

Ja… Es war eine aufregende Nacht und meine erste richtige Party in Wien seit fast einem halben Jahr. Hat gut getan, mit meinen Freunden und Freundinnen abzuhängen und mal keine Zwölf Dollar für österreichischen Weißwein (den ich liebe) auszugeben. *Emoji mit Schweißtropfen*

Hier können wir sehen, wie Herr Kollege Patrick Johann Schmidt sich ein weiteres Mal über meinen Krawattenknoten echauffiert und ihn kopfschüttelnd neu bindet. Und ewig zu binden!

“Der Kasus macht mich lachen.”


Ich begab mich sofort ins Bad, um ein Selfie zu schießen, das zwar bisi nach Schlaganfall aussieht, aber dringend nötig war, um mir den Kick zu geben. Ich war überwältigt! Wie konnte ein verdammter Krawattenknoten nur so viel bewirken!

Mit dem Brustton der Überzeugung und dem Brusthaar des Überzeugers gab ich mich nun dem Welschriesling hin und sah mir die tanzenden Pärchen genauer an. Viele von ihnen waren hervorragend und ich bereute ein weiteres Mal, niemals einen Tanzkurs belegt zu haben.

Stattdessen ließ ich mich alles andere als verlegen jedoch volllaufen und genoss die Nähe meiner Freunde. Als die Stunde Zwölf schlug und meine Kutsche langsam aber sicher, sich in einen löchrigen Kürbis zurückzuverwandeln begann, entschieden wir uns, ins Casino zu gehen und Geld zu gewinnen.

Der Daimon räkelte sich genüsslich in meiner Magengegend.

Obwohl der Großteil meiner Begleiter sich äußerst unwohl hier zu fühlen schien, überkam mich wieder einmal dieses Gefühl der Wärme. Mir ging das Herz auf! Ich liebe die Stimmung dort, liebe das Surren und Summen der bunten Automaten, die grellen Farben und Lichter, die unergründlichen Gesichter der Croupiers und Kartenspieler, die verzerrten Masken der Krankheit und des Schreckens der Roulettespieler, den Zigarrenrauch und die zahllosen chinesischen Touristen.

Ich lockerte meinen Kiefer und begab mich mit der Ruhe, die der Überzeugung vorauseilt, ins Gefecht.

Alles auf Schwarz.

Alles auf Schwarz


Etliche Weingläser, Dutzende Jetons und ein blaues Auge später…

Oh no, not my eye again!

Wir hatten es geschafft! Wir verließen das Casino OHNE Verluste.

Nachdem ich mit dem Kasinobesuch zumindest die Kosten des gesamten Abends gedeckt hatte und auf lediglich Minus Dreißig gekommen war, lud ich die ganze Truppe zu meinem Freund Dan ein, was er mit den Worten „Ich bin Spanier, ihr könnte jederzeit zu mir, selbst um sechs in der Früh“, bestätigte.

Dort gab ich mir noch ein Gläschen Chianti, wobei ich den einen oder anderen Möchtegerngourmet-Kommentar schob, mich in Wahrheit jedoch einfach nur ins Nirwana schoss.

Aber jedes Mal, wenn ich einen Anzug trage, habe ich irgendwie das Gefühl, dass der Alkoholkonsum etwas geradezu Nobles ist. Trinken wirkt plötzlich… legitimer.

Zuletzt brachte unser Gastgeber noch eine Flasche Champagner. Da ich lange keinen mehr getrunken hatte, vergaß ich um seine explosive – und das mein ich jetzt wörtlich – Wirkung. Ich nahm also einen Schluck aus der Flasche und dann geschah plötzlich etwas Unerwartetes…

Der Schaum stieg hoch und explodierte in meinem Mund, bevor ich – einem Springbrunnen gleich – alles in einer tosenden Fontäne aus meiner Nase schoss. Dabei spritzte das Zeug in alle Richtungen und verwandelte das Zimmer, inklusive Computerbildschirm, in einen Saustall sondergleichen.

Was lernen wir daraus?

Trinke Champagner niemals aus der Flasche.

Und Gute Nacht


Das Beste an der Sache jedoch ist, dass ich nach wie vor Nichtraucher bin und das seit drei vollen Monaten!

You CAN DO IT!

Sogar ich hab’s geschafft, da wird’s für dich ein Kinderspiel.

Tu es einfach, wenn es dir ein Bedürfnis ist und rede nicht davon.

Aber zugegeben, in Wien ist das nicht einfach. Ich hab das Gefühl, hier raucht jeder!

Nun gut!

Soviel dazu. Ich hoffe, du warst heute wählen und ganz gleich, was du gewählt hast, du bist mein Freund und meine Freundin, denn ich glaube an die Meinungsfreiheit und die Demokratie.

Angenehmen Wochenstart! Wir sehen uns morgen Früh!

Besitos

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2016, www.jannisraptis.com)

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