Ansichten eines Troubadours, Woche 24: „Die Saitenspannung des Bewusstseins“

Einen wunderschönen Montagmorgen, frohe Ostern und einen sanften Wochenstart wünscht dir dein Troubadour!

Alles im Grünen? Hat der Osterhase brav Ostereier versteckt? Den Frieden verkündet und Eierkuchen verteilt?

Zu mir ist er auch gekommen. Allerdings als Lammbraten verkleidet, dessen Säfte, jedes Mal, wenn sie auf die Glut tropften, eben dieser ein genüssliches „Zsch“ entlockten. Dazu gab es Tsipouro, griechischen Wein, Innereien, Salat, Süßkartoffeln und Tsatsiki. Kurz; es war ein Fest der Sinne. Ein Moment der Entspannung, eine erfrischende Oase in der Wüste eines überstrapazierten Lebens, das ausschließlich von Arbeit, Vorwurf und innerer Unruhe gelenkt wird.

Ein guter Tag.

Nun sitze ich an meinem Schreibtisch, der mit Papieren, selbstgezeichneten Landkarten und Schreibzeug bedeckt ist, und widme mich meinem Blog.

Worüber wollen wir heute sprechen, lieber Leser und süße Leserin?

Neulich habe ich versucht, dir meine Meinung zur Diskrepanz zwischen Fühlen und Denken ein wenig aufzuzeigen, was mir wiederum den Weg ebnet, um über den nächsten Schritt zu sprechen: Der Ausführung, oder der „execution“, wie man auf Englisch sagt.

Was geschieht mit dem „Produkt“, das aus einer gesunden Verbindung von Fühlen und Denken entstanden ist?

Richtig, eine Handlung.

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Okay, Spaß beiseite: Wann ist eine Handlung „richtig“?

Ich habe mir in meinem Leben endlos viele Gedanken darüber gemacht und bin noch zu keinem Entschluss gekommen. Ich habe Kant und Aristoteles gelesen, die Bibel und die betrunkenen SMS verspielter Singlemütter um 3:38 in der Früh. Und die Antwort, die mir bislang die Beste deuchte, war: Tu, was dein Herz dir sagt.

Diese Erkenntnis, kombiniert mit dem indischen Gesetz, das besagt, dass alles, was passiert, einen Sinn hat, rechtfertigte in gewisser Weise jede meiner Handlungen. Aber nach einer Weile erschien mir dieser innere Mechanismus allzu locker und planwidrig.

Ich denke nicht, dass es SO einfach ist. Ich mein, ich glaube schon, dass es in die richtige Richtung geht, aber nur dem Bauchgefühl oder dem Herzen zu folgen, kann oftmals auch fatale Folgen mit sich ziehen. Und vice versa.

Ich behaupte also in aller Demut, dass eine Handlung erst dann in Einklang mit dem Allgemeinwohl stattfindet, wenn vorher eine Entscheidung getroffen wurde, die auf einem gesunden Verhältnis von Fühlen und Denken basiert.

Kannst du mir soweit folgen und ergibt es in irgendeiner Weise Sinn, was ich da rede?

Also, wenn ich es graphisch darstellen müsste, würde es ungefähr so aussehen: Hinspüren/Fühlen + Nachdenken/Filtern -> Entscheidung treffen -> Tun.

Falls dich das Thema interessiert, würde ich dir empfehlen, den Blogpost von vorletzter Woche (Woche 22) zu lesen. Dort spreche ich ein wenig über die Beziehung Schrägstrich das Kräftemessen von Fühlen und Denken. Aber ich kann auch jetzt gerne nochmal ein wenig darüber plaudern.

Weißt du, wie schwierig es mir fällt, das Denken zu kontrollieren, lieber Leser? Vermutlich noch viel schwieriger als dir. Ich möchte also nicht, dass du glaubst, nur, weil ich es wage, hier große Reden zu schwingen, ich hätte irgendwelche besonderen Resultate erzielt.

Ich bin noch völlig am Arsch! *lacht*

Ein Jahr lang übte ich jeden Morgen in Kombination mit bewegtem Qi Gong und Tai Chi das Stille Qi Gong, auch genannt Tao-Meditation, und suchte nach Wegen, das Denken abzuschalten. Es war mir ein Unmögliches! Obwohl ich jede Form von Visualisierung und Mantras stark reduziert hatte und mich einzig auf meine Atmung konzentrierte, schaffte ich es in den seltensten Fällen, wirklich Ruhe zu finden.

Natürlich lernte ich jeden Tag mehr und mehr über mich, aber das Denken „besiegen“ konnte ich nicht.

Die folgenden zwei Jahre gab ich mich gänzlich dem Trunk, der Lust und dem Feiern hin, was in gewisser Weise auch meditativen Charakter mit sich trug. Ich betäubte die Gedanken, ich flüchtete mich ins Delirium, das einzig von Selbsthass und Dunkelheit behelligt zu werden vermochte, ansonsten aber ganz nett war.

Long story short: Ich fand langsam heraus, dass das Ziel nicht darin liegt, das Denken „auszuschalten“ oder zu „vernichten“. Es geht darum, dessen Natur zu erkennen und es unter Kontrolle zu bringen. Es ist ein Teil von uns, genauso wie die Prozesse innerhalb des Körpers Teil von uns sind. Das Denken ist das Tool, das den Menschen zum Menschen macht und das ihn befähigt, komplexe Situationen zu meistern, zu überleben und sogar zu sprechen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich glaube, dass damit schon alles gesagt ist. Dies zu erkennen, ist schon Mal die halbe Miete. Wieso sollte der Asket das Denken verteufeln? Er verteufelt doch auch nicht seinen Fuß oder die Funktion seiner Leber?

Wir begeben uns also in eine akzeptierende, passive Haltung und nehmen unsere Natur an. Wie auch immer man das, was uns erschaffen hat, nennen mag, ob Gott oder Zufall, Fakt ist, wir können an unserer Natur nichts ändern. Wir sind hineingeboren in einen Körper und einen Geist, den wir uns nicht ausgesucht haben.

Machen wir das Beste draus. Geben wir dem Licht in uns, welches manche „Seele“ oder „göttlichen Aspekt“ nennen, eine Chance, sich voll und ganz zu entfalten.

Je weniger Techniken, Methoden und Ideologien (von Religionen ganz zu schweigen) im Spiel sind, desto natürlicher wird dieser wunderschöne und lebensbejahende Weg vonstatten gehen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung und selbst ich sitze hier und verfasse viel zu viele viel zu leere Worte über etwas, worüber zu sprechen eigentlich absurd ist.

Es geht nur um das achtsame Beobachten, das sich Konzentrieren auf den Atem und den natürlichen Wunsch, der weder Wille noch Eifer ist, glücklich und frei zu sein.

Amen.

Ich erinnere mich auch an einen Moment, der noch viel weiter zurückliegt, als ich nicht ganz gesund war und sehr viel Sport und Yoga machte. Es war einer dieser Momente, in denen ich die Beschränktheit des Denkens voll und ganz begriffen und liebevoll akzeptiert hatte! Ich war Eins. Ich fühlte das Potenzial. Begriff, wie schön das Leben sein kann, wenn man’s richtig macht.

Diesen Zustand zu kultivieren und zu einem Dauerhaften zu machen, ist mein einzig’ Bestreben.

 

*sieben-sekündige-Gedankenpause*

 

Ja, soviel dazu.

Bist du auch davon überzeugt, dass Entscheidungen und Handlungen, die einem solchen Wesen entsprungen sind, viel mehr bewirken könnten? Oben genannter Zustand würde, so vermute ich, auf Dauer zu rückgrathaltigen Entscheidungen und somit zu eben jener Umsetzung führen, die ideal für das Individuum ist. Die Handlungen, die ein Mensch, dessen Entscheidungsfähigkeit ungetrübt und einem gesunden Verhältnis von Fühlen und Denken entsprungen ist, werden viel reflektierter und nachhaltiger sein, so meine ich.

Wäre es nicht schön, die Entscheidungen zu treffen, die uns als Menschen weiterbringen können? Wäre es nicht unfassbar zufriedenstellend, genau das zu tun, was wir uns in unserem tiefsten Herzensgrund wünschen? Herauszufinden, wer wir sind? Der Welt etwas von Wert zu hinterlassen und all Jene zu inspirieren, die im Dunklen tappen?

Und diese großen Taten, die wir uns vornehmen, beginnen mit nur einem Zauberwort!

Achtsamkeit.

Stell dir das liebevolle Beobachten eines Kindes vor, das durch die Welt schreitet und völlig fasziniert ist von den Bildern, die es überhäufen. Es wertet nicht, es fühlt und beobachtet einfach.

Ein weiterer Punkt, den ich aufgezeichnet habe und der ausgesprochen interessant ist, ist Folgender: Dieses Konstrukt, beziehungsweise, das achtsame Beobachten des inneren Fühl- Denk- und Entscheidungsprozesses wirkt auch gegen Trägheit.

Der Grund, wieso ich in meinem Leben oftmals untätig blieb, war (neben Faulheit, Trägheit und Selbstzweifeln (und Kater) *lacht*) eben dieser: Unentschlossenheit.

Es gab keinen Motor. Es gab keine Fabrik, die logische Entscheidungen zu fällen in der Lage war.

Ich habe festgestellt, dass Bewusstheit, Achtsamkeit und eine natürliche Liebe zu den Gegenständen (und den Ideen. Warum benutze ich gerade so viele Klammern? Meine Deutschlehrerin würde mich lynchen) Wunder bewirken können. Man handelt mit viel mehr Rückgrat und – und das ist das Allerwichtigste – man geht öfter mit einem guten Gefühl zu Bett.

Ein Beispiel: Ich habe endlich meine neue Gitarre mit den Hölzern und Maßen, die ich will, und forsche derzeit nach dem „idealen“ Sound. Dabei spielen der Verstärker, das Pickup, das Mikrophon, die Wahl der Saiten und deren Spannung, die Regelung sämtlicher Schalter, ja sogar das Kabel und viele andere Faktoren eine entscheidende Rolle. Kurz: Es ist a Hacken!

Aber ich denk mir, zumindest in diesem Punkt – nämlich meinem Beruf, ganz gleich wie teuer und brotlos zugleich er ist (*facepalm*) – MUSS ich Achtsamkeit walten lassen. Und es fühlt sich wirklich gut an. Ich verschmelze mit einer Tätigkeit, forsche, probiere und mache die Gitarre ein weiteres Mal zu einem Teil meines Armes.

Das ist der passendste Vergleich, den ich zu dieser Thematik anstellen kann, und, da es sich dabei wirklich um mein Leben und meine Erfahrungen handelt, auch der Glaubwürdigste. Hier noch ein kurzes 60-Sekunden-Video mit der neuen Gitarre:

 

Verstehst du, worauf ich hinauswill? Wenn du diesen Sachverhalt auf dein Berufsleben projizieren würdest, was käme dabei heraus? Glaubst du, dass das Ganze erst Sinn macht, wenn der eigene Beruf auch eine Berufung ist, so wie in meinem Falle? Oder könnte es aber sein, dass ein Beruf, den man verachtet und nur aus Not heraus ausübt, einem mehr Freude bereiten wird, sobald Achtsamkeit und die daraus geborene Verantwortung ins Spiel kommen?

Ich persönlich bin da überfragt, aber die Fragestellung find ich irgendwie interessant. Lass uns ein wenig darüber nachdenken.

Ja, ich hoffe, ich konnte dir mit meinem wirren Gelaber ein wenig Inspiration und Freude an diesem regnerischen Tag verschaffen. Lass uns diese Welt zu einem besseren Ort machen, lass uns in unserer Arbeit brillieren und die richtigen Entscheidungen treffen!

You can do it!

Cheers ladies! #haveaniceweekend #winelovers #vienna

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Apropos Gitarren:

Diese Woche, lieber Leser, wird’s was geben, denn ich spiele am Freitag mit drei hochkarätigen Gitarristen im Rahmen des Gitarrenfestivals zu Wien im ORF Radiokulturhaus. Ich teile die Bühne mit meinem guten Freund Flaco de Nerja, mit Rainer Maria Zehetbauer, deren Fingerfertigkeiten schlicht und ergreifend verblüffend sind, und zum ersten Mal auch endlich mit einem meiner Lieblingsgitarristen überhaupt, nämlich Mahan Mirarab, dessen Oriental Jazz ich seit jeher bewunderte.

Jungs, es ist mir eine Ehre!

Schau vorbei, wenn du Zeit und Muße hast, lieber Leser. Und falls beides davon fehlt: Die Show wird Live übertragen im Radio.  Hier der Link zu Beidem.

Ja, soviel dazu.

Danke fürs Lesen! Es bedeutet mir unendlich viel, dass du es geschafft hast, dich bis hierher durchzukämpfen.

Falls du Fragen hast bezüglich der oben besprochenen Thematik, kannst du mir jederzeit eine Nachricht schicken oder einfach den Beitrag auf Facebook kommentieren!

Vergiss auch nicht, mir auf Instagram zu folgen. *lächelt*

 

Schöne Woche noch und alles, alles Liebe!

 

Jannis

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)

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