Ansichten eines Troubadours, Woche 27: „Ein Allegretto für den Kaiser“

Einen wunderschönen Wochenstart!

Der Himmel gleicht einer weinenden Mundharmonika und erinnert mich irgendwie an die Achtziger. Wobei, Moment mal. Hat man die Achtziger eigentlich miterlebt, wenn man sich an sie erinnern kann? *mysteriös-in-die-Kamera-blickend* Ich weiß es nicht, liebe Freunde, in der Anlage ist jedenfalls das Wasser drin.

Leicht verstört, schreckte ich soeben aus meiner Siesta hoch, als mein Gemüt sich zuckend einer ganz und gar scheußlichen aktuellen Thematik erinnerte, die mich und meine gesamte Kaste betrifft.

Wovon ich spreche?

Ich spreche hiervon.

Zugegeben, seit ich nicht mehr auf Facebook bin, entgehen mir Nachrichten und News solcher Natur öfter und öfter. Doch in diesem Fall war das Thema unter Musikerkreisen einfach zu präsent, als dass es auch mein fein geschnitztes Öhrchen hätte verschont lassen können.

Erschreckend, scheußlich und einfach zum Kotzen, dieses Verbrechen.

Nicht, dass ich Anderes gewöhnt wäre; als Musiker, beziehungsweise als Künstler, ist man in der heutigen Zeit ohnehin regelmäßig mit Erniedrigung konfrontiert. (Außer man ist Sprössling eines Millionärs, oder schafft es irgendwann, selber einer zu werden.)

Doch das hier ist der Gipfel. Es stellt auf geradezu plakative Art und Weise den Zeitgeist dar, der dafür verantwortlich ist, dass mein ganzes Geld für Whisky draufgeht.

Bevor ich weiter fluche, überlasse ich das Wort allerdings meinem guten Freund und Saitenkollegen Alex Yoshii, der diesen Beitrag schrieb und eine Petition ins Leben rief, welche über Nacht die Runde machte und bereits über anderthalbtausend Stimmen zählt. Einfach draufklicken und weitergucken.

*sieben-Sekunden-Pause*

Bravo, Alexander.

Bravo! Wir brauchen natürlich noch viel mehr Stimmen! Und obwohl ich der Letzte bin, der irgendwen von irgendetwas überzeugen möchte, wage ich nun zu sagen: Lies dir das alles doch mal in Ruhe durch und wenn du uns Musiker unterstützen möchtest, gib uns bitte deine erlauchte Unterschrift. Es kostet KEIN Geld, einzig zehn bis zwanzig Sekunden deiner Zeit, kann jedoch entscheidend sein für die Zukunft alles Troubadoure.

Ich habe mich schon lange von dem Gedanken verabschiedet, in Österreich – so schön ich dieses Land auch finde – alt zu werden und plane seit etwa zwölf Monaten meine Auswanderung. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, oben genanntes Thema offen anzusprechen. Nicht nur für Österreich und Österreicher, sondern allgemein.

Es gibt viele Staaten auf dem Planeten, in denen die Situation tatsächlich sogar noch schlimmer ist und das stimmt mich unendlich traurig.

Falls du meinen Blog schon länger abonniert hast, dann weißt du, dass ich der Ansicht bin, diese Welt befände sich am Abgrund. Ich denke, dass die Menschheit – so fern sie nicht von Aliens regiert, oder zumindest manipuliert wird, die das Ganze übernehmen werden – sich in absehbarer Zeit selbst abschaffen wird und hey: Das ist auch vollkommen okay so! Das nennt sich Evolution.

Aber komm schon; muss diese Prozedur wirklich so ruhmlos verlaufen?

Mir ist schon klar, dass das Beamtentum, die Bürokratie und der Groschen diese Welt regieren und vermutlich würde Letztere ohne diese Dinge – zumindest mit dem jetzigen Status des Homo Sapiens – nicht anders funktionieren. Okay, akzeptieren wir so. Aber ich behaupte, dass diese Gesellschaft genauso wenig funktionieren kann, wenn es keinen Raum für Musiker und Musikschaffende gibt.

Musikanten und Gaukler hingegen soll es geben, ja? Und sie sollen die Mindestsicherung beziehen und mit ihren teuren Erwachsenen-Spielzeugen spielen?

Ooookay!

Und ich bin da mitten drin, verfluchte Scheiße; ich weiß, wie schmerzhaft das Leben als „Berufskünstler“ ist. Berufsmusiker. Was für ein Bullshit! Als ob man sich irgendwann entscheiden würde: Ich werde jetzt beruflich Musiker. Nein, nein, nein!

Die Musik findet ihren Botschafter, nicht umgekehrt. Sie überkommt den Erwählten und in manchen Fällen erhält Letzterer einen Auftrag von den Musen persönlich. Das ganze ist kein Beruf, der irgendwas mit Geld oder sozialem Status zu tun haben sollte. Es ist eine Berufung, so wie diese des Priesters.

Es gibt Tage, da verfluche ich mich selbst, meine Instrumente und die Welt da draußen. Aber das ändert nichts daran, dass meine Entscheidung unumstößlich ist. Ich habe den Musen zugesagt und ganz gleich, wie sehr das Finanzamt mich ficken will: Dieser Troubadour wird nicht schweigen. Ganz gleich, wie sehr ich innerhalb dieses Zwischenstopps namens „Ein Paar Jahre Leben auf dem Planeten Erde“ scheitere: Mein Deal mit den Musen ist mir wichtiger.

Ich kenne meine Aufgabe auf dieser Welt und ich arbeite vierundzwanzig Stunden am Tag. Und wenn das bedeutet, dass ich Abschaum bin, dann kann ich gut damit leben.

Solange ich mir meinen Whisky leisten kann.

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Nein, aber ernsthaft.

Mir persönlich geht’s zurzeit so gut wie noch nie. Mein Album ist fertig aufgenommen und befindet sich nun in der Postproduktion. Bald schon, bald schon wird das, was meine Seele, mein Gehirn und jede Menge talentierter Hände schufen, greif- und hörbar sein.

Es gibt kein Zurück.

Weitermachen, liebe Kollegen! Wir werden auch diese Bagatelle überstehen, so wie wir es immer tun.

Bitte, bitte, bitte, werte Leserschaft, lass uns gemeinsam etwas gegen die Ausbeutung jener Menschen unternehmen, die diese Gesellschaft mit ihrem Talent, ihrem Können und ihren Botschaften bereichern.

Es ist einfach eine Sünde im Angesicht des Herrn da oben.

Auf die Kaiserstadt.

Auf die Stadt der Musik.

 

Hochachtungsvoll

Dein Troubadour

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

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