Ansichten eines Troubadours, Woche 32: „Das Maximum an Multidimension“

Zypern. Unendliche Weiten.

Gelobt sei der Erfinder der modernen Klimaanlage.

Als ich mich gestern meiner täglichen Selbstmedikation widmete und an der Bar zerrann wie ein von Möwen zugeschissenes Schmirgelpapier, wie ein Picasso-Gemälde, dem die Farbe ausgeht, wie ein Labrador auf Lysergsäure, da spürte ich den Gipfel all der Abscheu, die mich ein weiteres Mal überkommen hatte, wie einen Lötkolben in meinem Rektum. Auslöser war ein Gespräch über die Kirche, das ich mit meiner Partnerin führte, und beim Gedanken an all den goldenen Prunk, der die „Gotteshäuser“ ziert, wortwörtlich kotzen wollte. Ich erinnerte mich an die Stelle in der Bibel, als Jesus wutentbrannt in den Tempel stürmt und die Marktstände und Münzen umwirft und dachte mir: Wenn ich das jetzt täte, käme ich ins Gefängnis. Ich geriet ein weiteres Mal in Rage über die Blindheit des Volkes, über die Heuchelei, über die Frechheit – nein, das Verbrechen! – Gott und den Menschen zu trennen und dazwischen selbsternannte Despoten und Kirchen sowie Symbole und Dogmen ohne Ende aufzustellen und dem Menschen das einzige zu rauben, wofür es sich zu leben lohnt.

Die Freiheit.

Hier, im ultrakonservativen Zypern, einer Insel, die wirklich ALLES durchleben musste, bin ich – der Steppenwolf, der alles hinterfragt und herabgesetzt hat – mit einem Traditionalismus, einem Patriotismus und einer Geisteseinstellung konfrontiert, die mir den letzten Nerv rauben.

Hier streiten sich Christen und Muselmanen um ein Fleckchen Erde, das am Ende des Tages ohnehin die Juden besitzen werden. Der Glanz der drei Weltreligionen!

Ganz große Klasse.

Und, um die gegenwärtige Popkultur heranzuziehen und so zu tun, als wäre ich hip: Anstatt uns zusammenzutun und gegen die Weißen Wanderer – die eigentliche Bedrohung! – zu kämpfen, sitzen wir da und geifern umadum.

(Apropos: Die neue Staffel Game of Thrones ist bis jetzt großartig!)

Ja. Soviel dazu.

Möglicherweise bin ich – ein Heimatloser, der sogar auf Ostern, Hochzeiten und Geburtstage pfeift – der Einzige, der in der Lage ist, die Situation nüchtern zu betrachten.

Oder aber, ich bin etwas zwischen ignorantem Wrack und Semi-Erleuchtetem, das einen Pakt mit allen Teufeln und Engeln geschlossen hat, und in der Lage ist, Satan und Gott als Ein und Dasselbe zu erachten.

Kinder, wacht’s auf! Es gibt keinen Dualismus im Sinne von „Gut und Böse führen Krieg, bis eines der beiden siegt“! Alle Götter wären ohne ihre Teufel wertlos und umgekehrt! *lacht-herzhaft*

Aber gut. Wir alle haben Angst. Und wir alle hängen an unserem Ego. Eins und Eins macht Zwei und noch Eins dazu und wir haben Drei.

 

Und jeder scheißt sich davor an, sein Traumschloss in Brand zu setzen, die Seifenblase zum Platzen zu bringen und aufzuwachen. Natürlich, wer traut sich schon, aufzubrechen mit der geringen Aussicht auf Erfolg und der Garantie, Jahre seines Lebens nackt und allein in der Eiswüste zu verbringen?

Nicht viele, nehme ich mal an.

Da sind Shortcuts wie die Religion ein netter Versuch, sich selbst zu überzeugen, dass man eh alles richtig macht. Eine milde Betäubung sozusagen.

Und am anderen Ufer gibt es dann Möchtegern-Rebellen, die alles polemisch anzweifeln und auf unschöne Art entweihen, nur, um die Stars ihrer eigenen kleinen Seifenoper zu sein und mit dem Brustton der Überzeugung von sich behaupten zu können, sich gegen das Regime aufgelehnt zu haben.

Ich lache gerade lauthals!

Ein Käfig voller Narren! Und wir sind mitten drin.

Mach die Augen auf, lieber Leser, und schau dir mal dein Umfeld an. Was siehst du?

Möchtest du wissen, was ich sehe? Vielleicht ähneln sich unsere Beobachtungen ja?

Ich sehe einen Haufen taubstummer Blinder, von denen viele das Potential hätten, zu erwachen und von denen wiederum ein beträchtlicher Teil tatsächlich auch ein gutes Herz besitzt. Doch die Entscheidungen und Handlungen all dieser unserer Geschwisterchen verlaufen in einem Kreislauf des Leidens, der Fehler und der Furcht. Ich sehe kaum eine funktionierende Beziehung, kaum eine wahrhaftig funktionierende Karriere und ein unablässiges sich Zufriedengeben mit Mittelmaß und schlecht aufgetischten Lügen.

Der Grund?

Ganz einfach: Die nicht vorhandene Fähigkeit zur ungetrübten Selbstreflektion und zum ganzheitlichen Erkennen multidimensionaler Sachverhalte.

Oder, wenn du es, etwas poetischer haben möchtest:

Jeder bewegt sich lediglich innerhalb seiner operativen Kloakenzone ums Tao herum.

Solche Leute maßen sich an, UNS Ratschläge, Tipps und Befehle zu geben und solche Leute regieren auch unseren Planeten.

Schön, das mal erkannt zu haben. Schön zu wissen, dass man ach so gescheit ist! *lacht*

Am Ende des Tages ist man maximal sein eigener Heros.

Aber he: Das ist es wert.

Wenn ich durch die kleinbürgerlichen Häuser hier flaniere, dann überkommt mich der Drang, die schlecht gezeichneten Bildnisse der Götter, die unachtsam erarbeiteten Büsten von Goethe und die wohl dressierten Hündchen allesamt dem Höllenfeuer zu übergeben.

Und manchmal möchte ich einfach nur hinterher springen und meine gesamte Vergangenheit vergessen, um endlich frei sein zu können.

Ist es nicht absurd? Dass der Ballast der Vergangenheit und die Todesangst vor der Zukunft uns alle den Moment verpassen lassen, sodass wir unablässig innerhalb oben genannter Kloakenzone leben und wirken werden und das für immer?

Ganz gleich, wie viele Abgründe ich in meinem Leben erblickt habe und noch erblicken werde: Ich danke den Göttern, mir selbst und den Gorillas, dass es mir schon sehr früh möglich war, diesen Kreislauf zu verlassen, um alleine und nackt dem Horizont nachjagen zu können.

Gut, wir schweifen ab. Hier zwei Fotos, die ich mit meinem Iphone geschossen habe:

I'm not a photographer but I think this is a great shot 😼💪📷 You like it? #nofilter #peaceofmind

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Here's another one 📷 🌊 🌊 🌊 #nofilter #beautyofnature

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Nachdem die Ansichten eines Troubadours mittlerweile fast zu einem monatlichen Blog geworden sind, wollte ich heute zu Wochenanfang nochmal meinen Senf dazu geben.

Damit die Woche auch ja spaßig beginnt! *lacht*

Ja. Dann wälze ich mich mal hier unter die Klimaanlage und mache mich an die Arbeit. Tagsüber die Bleibe zu verlassen, grenzt an Wahnsinn. Abends werd ich dann von meiner Partnerin abgeholt und an die Medikations- und Meditationsstätten gebracht, die ich benötige, um nicht zu verwelken. In der Regel reichen ein Tresen, alkoholische Getränke und gute Musik.

Tatsächlich komme ich mir ein bisschen vor wie ein schlecht dressierter, jedoch ganz niedlicher Hund, der Gassi geführt wird.

Und das ist gut so.

Denn ganz gleich, wie schwierig es für mich ist, in Griechenland oder in dem Fall Zypern zu sein, dieser Sommer ist einer der wichtigsten für mich und meine bessere Hälfte. Denn in jeder Sekunde, die sich der grausamen Hitze ergibt, stellen wir umso mehr fest, wie lieb wir uns haben und wie sehr es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen, die Vergangenheit zu verbrennen und das Ego zu zerstückeln, um gemeinsam die Unendlichkeit des Kosmos zu ergründen.

Dies ist ein Pfad, den zu beschreiten Mut, Kraft und eine gehörige Portion an Wahnsinn erfordert. Ein Pfad, der, so, wie es dem Tao eben eigentümlich ist, das „Schlechte“ genauso beinhaltet wie das „Gute“. Falsche Götter, heuchlerische Despoten und eine verkommene Welt gehören genauso dazu wie Erwachte und Erwachende, Liebende und Gütige und gemeinsam bilden all diese Menschen, Tiere und Pflanzen das Tao des Planeten Erde, der wiederum ein winziges Puzzleteil im grenzenlosen Universum darstellt.

Grenzenlos und in seinem unablässigen Pulsieren perfekt. Ein imaginärer Kosmos ohne „Satan“ und mit einem „gütigen Gott“ als „Herrscher“ (wtf?) , so wie es in den Märchen, die zu Heiligen Schriften wurden, beschrieben wird, würde automatisch Stillstand und somit das Ende der Welt bedeuten.

Denk drüber nach!

Schönen Wochenstart und alles, alles Liebe!

Dein Troubadour

 

PS: Scheue dich nicht, mir auf Instagram zu folgen!

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, http://www.jannisraptis.com)

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