Ansichten eines Troubadours: *Weihnachtsspecial (Teil I-III)*

Grüß Gott, lieber Leser und liebe Leserin!

Ich hoffe, dir geht es gut!

Heute vereine ich drei Blogposts in Einem, nämlich Freitag, Samstag und Sonntag.

Viel Vergnügen und viel Spaß mit dem Weihnachts-Special!

Kuss

 

I.

Kling Glöckchen, Klingelingeling!

Reeeeise schnieselt der Lee…

Ihr Kinderlein Komét!

Oh du Sröhliche, oh du Felige!

Freuet euch, freuet euch, ihr Chris-ten-HEIT!!!

Okay. Das war mein Weihnachtsliedrepertoire auf Deutsch.

Ein herzliches Prost und einen wunderschönen Sonntagabend wünsche ich! Wie geht’s, wie steht’s? Bist du in Weihnachtsstimmung, Hübschi?

Am Freitag habe ich mit meinen Freundinnen Kekse gebacken und es war großartig! Schau:

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Wir haben etliche Ladungen produziert, dabei reichlich Wein konsumiert und im Anschluss Lagerfeuerlieder gesungen bis Mitternacht.

Hier eine Gesangseinlage von „Jannis Raptis & seinen Zimtschnecken“:

#weihnachtslieder mit Jannis Raptis & seinen #Zimtschnecken Vol. I 🎄🤘🎶 #christmas #happytogether #friends

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Da geht was weiter, oder?

Ich möchte dich ermutigen, beim nächsten Treffen dabei zu sein!

Du bekommst von mir Demut, Achtsamkeit und Respekt. Und den einen oder anderen angebrannten Keks. Ich denke, das ist ein guter Deal.

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Zuletzt statteten wir meinem Bruder einen Besuch ab, der am Freitag sein achtzehntes Lebensjahr erreichte. Ursprünglich hatte ich vorgehabt, ihn an diesem Tag auf einen Lapdance im „Kojoten“ einzuladen. Doch nachdem der Dollarkurs drei seiner knochigen Finger in mein Rektum gebohrt hatte, musste ich mich damit begnügen, das Geburtstagskind auf ein Bier einzuladen.

Nachdem eben Jenes mich auf zwei Bier eingeladen hatte.

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Aber Geschwister sind ja dazu da, um einander zu vergeben, oder?

Ja, das denke ich schon.

Euphorisch, betrunken und mit leichten Anflügen spätnächtlicher Manie verschmolz ich mit der Nacht.

 

II.

Samstagmorgen weckte mich ein abgemagerter Straßenkater, den ich leider besser kannte, als mir lieb war. Ein zäher Bursche, der sein Leben in der Gosse verbracht hatte und mich nun mit Fischgräten zwischen den Zähnen angrinste. Höhnisch, beinahe teuflisch.

Verdammtes Drecksvieh.

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Ich döste den ganzen Tag, bekam zu Abend einen Anruf bezüglich eines Spontangigs und begab mich schließlich – im Sakko und mit poliertem Schuhwerk – in den ersten Bezirk, wo ich zusammen mit meinem Freund und Kollegen Miguel in einem spanischen Lokal spielte.

Der Kollege spielt dort (Bodega Marquez) übrigens zwei Mal in der Woche. Wenn du Zeit hast, check das aus! Super Gitarrist, große Weinauswahl und tolle Speisen.

Nach dem Gig fragte ich zwei Blondinen an der Bar, ob sie noch mit auf eine Party wollten, doch sie verneinten und ich weiß, dass sie es nicht getan hätten, wäre ich Banker oder Broker gewesen. Ich fühlte ihren lügengetränkten Speichel auf meiner Stirn und machte mir nicht erst die Mühe, ihn wegzuwischen.

Ich begab mich also mit meinem Kumpel Danny auf einen feinen Hokuspokus am Graben, wo es Buffet und Alkohol gab; und das alles für umsonst. Needles to say, dass jeder der Anwesenden diese Chance nutzte.

In regelmäßigen Intervallen bebte jedoch mein Innerstes. Ich hörte die wohlvertrauten Alarmglocken, zuerst aus weiter Ferne, dann immer näher und lauter. Ich zögerte, wartete ab, obwohl ich genau wusste, was geschehen würde.

Bis die Welt schließlich ein weiteres Mal für mich auseinanderbrach. Da stand ich, Jannis Raptis, ein weiteres Mal am Saufen auf einer Party, ein weiteres Mal unter Leuten und doch unendlich einsam, und packte mein Leben nicht, wie man so schön auf österreichisch sagt.

Sein Leben nicht packen. Einer der gelungensten Ausdrücke, die ich kenne.

Ich fühlte die Sinnlosigkeit, fühlte die grenzenlose Isolation, die Kälte, den Durst, den kein noch so teurer Chardonnay zu stillen in der Lage war, die Leere, die keine noch so geile, aufgetakelte Asiatin füllen konnte, den Schmerz, den keine Medizin der Welt jemals lindern würde.

Da war ich wieder, nackt und unbewaffnet mitten in einer Grube sich gegenseitig zerfleischender Wölfe. Meine Ohren wurden taub von ihrem mordlustigen Knurren, meine Stirn war vollgespritzt mit ihrem Geifer.

Jede einzelne Frau, die mich ansprach, floh nach wenigen Minuten. Ich muss wirklich düster ausgesehen haben. Flieht, ihr Narren! Das dachte ich mir und schüttete den Weißwein in mich hinein, ohne den Hauch einer Wirkung zu spüren.

Nicht einmal mehr der Suff war mir geblieben. Ich war ein Verstoßener, ein Novize der Mutterspinne, der ausgesandt worden war, um die Welt der Menschen zu studieren.

Ich weiß nicht, welcher Moment meinen Tiefpunkt am deutlichsten unterstrich. Der Moment, als ich alleine auf der Tanzfläche zu „Purple Rain“ tanzte, der Moment als ich über ein Tischtuch stolperte und dabei aussah wie eine Parodie von Donald Duck oder der Moment, als ich einen alten Bekannten traf, einen durchtrainierten Schönling sondergleichen, der mir nun von seinem neuen Unternehmen erzählte, während die ultravenös geilen Umgebungsvariabeln sich bar jeder Selbstachtung an ihn schmiegten.

Ich nickte stumm und beneidete ihn um seine Haarwurzel. Bis zum Stirnansatz wuchsen seine gesunden Haare!

Ich hätte heulen können. Wie viel Erniedrigung musste ich noch ertragen?

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Indessen erlebte mein Kumpel Dan sein eigenes Abenteuer. Er verwickelte sich in eine hitzige Diskussion, die böse hätte enden können, mit einem zwei Meter großen, schrankförmigen Hünen, den er jedoch besänftigte und der sich Danny schließlich komplett öffnete und ihn um Rat bat.

Ja, das waren wir.

Zwei abgemagerte Propheten mit zu viel Bartwuchs und zu wenig Haupthaar. Zwei Lichtbringer, die dem Volk das Wort Gottes verkündeten, dabei tranken, ohne betrunken zu werden und aßen, ohne satt zu werden.

Die Sirenen in meinem Kopf vermischten sich mit den Wogen der Dekadenz und dem monotonen Singsang meines Selbsthasses und kreierten ein schauriges Lied, welches niederzuschreiben vermutlich Notenpapier mitsamt Schreibfeder verbrannt hätte.

Es war eine Hymne für die Toten. Eine Ode an den eigenen Untergang. Und ich wusste plötzlich, was abging. Ich begriff so viel, worüber zu schreiben, keinen Sinn macht, da kein Wort auf der menschlichen Sprache zu erklären in der Lage ist, wie ich mich fühlte.

Ich begriff, dass alle Menschen auf dieser Welt psychisch krank waren. Ich begriff, dass ausnahmslos niemand sein Leben packte. Dass jeder Mensch hierher katapultiert wurde, auf einen Planeten, der zufälligerweise das „Leben“ ermöglicht, und dabei völlig überfordert war, während er zum Protagonisten seiner eigenen kleinen Tragikomödie auserkoren wurde. Niemand hatte eine Ahnung, was er tat.

Manche hatten halt Glück und andere nicht.

So, wie die Frauen, die wir einst geliebt hatten, Dan und mich nicht hatten heiraten wollen, so hätten sie uns möglicherweise in einer parallelen Realität geheiratet, in der wir Millionäre gewesen wären.

So, wie ich heute Weißwein trank, so hätte ich in einer parallelen Realität auch Soda Zitron mit einer Prise Stierblut und Echsengeifer trinken können.

Gerechtigkeit ist etwas, das Menschen, denen es schlecht geht, erfunden haben.

Wer diese Wahrheit akzeptiert, dem geht es sehr bald sehr viel besser.

Doch an diesem Abend fiel die Kunst der radikalen Akzeptanz Dan und mir besonders schwer. Wir sahen keinen Ausweg aus dem isolierten Hochsicherheitsgefängnis, für das wir auch noch Miete zahlten.

Ernüchtert, zerstückelt und am Ende unserer Lateins, begaben wir uns als die zwei guten Freunde und Brüder im Geiste, die wir waren und die eindeutig in der falschen Welt lebten, nach Hause und schliefen nebeneinander ein, während das Handy die ganze Nacht Howard Shore abspielte.

 

III.

Alles Gute zum Geburtstag, liebes Mütterchen!

#happybirthday #mommy ❤️💛💚💙💜

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Nach neun Stunden qualitativ hochwertigen Schlafes, begab ich mich heute zu meiner Familie. Meine Mutter hat Geburtstag, mein volljähriger Bruder ist friedlich und in wenigen Stunden sehe ich jenen wieder, den ich seit einem halben Jahr nicht mehr erblickte: meinen eigenen Vater.

Ein familiärer Sonntag ist genau das, was ich jetzt brauche.

Denn eines sag ich dir, lieber Leser: Es gibt nichts Wichtigeres als die Familie. Und wenn du noch dazu zwei oder drei gute Freunde hast, dann zählt das mehr als jedes Geld und jede Machtposition der Welt.

Schätze das.

In diesem Sinne: Schönen Sonntag, danke fürs Lesen und schau doch mal wieder vorbei!

 

Alles Liebe

Dein Jannis

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