Ansichten eines Troubadours, Woche 19: „Der Pflichtschuldigkeitsmissionar“, Tag 1.

Na, wie war dein Wochenende?

Ich hatte äußerst intensiven, wenn auch unangekündigten Besuch von der Dunkelheit  (vgl. Woche 15, Tag 4), die mich diesmal besonders hart durchnahm. Meistens dauert so ein Besuch um die achtundvierzig Stunden, manchmal ist er auch kürzer, selten länger. Zurück bleiben Verwüstung, Leere und Narben, aber – falls du dich an den Text erinnerst – auch die Bereitschaft, eine Entscheidung zu treffen und voranzuschreiten.

Ach, lieber Leser, teure Leserin!

Es macht manchmal einfach alles keinen Sinn. Und dann wieder schon. Ich sag’s dir ehrlich, wie ich mich fühle: Diese Achterbahnfahrt namens „Leben“ ist so lächerlich und wirr, dass ich, um nicht zu verzweifeln oder wahnsinnig zu werden, nur mehr lachen, singen und trinken kann.

Es gibt nur die zwei Optionen. Umarme den Geifer oder lass dich von ihm löchern. Und wir alle wissen: Widerstand ist zwecklos.

Drum: Iss, trink, sing, mach Liebe ohne Ende, tanze, verreise und wirf mit Geld um dich!

Das ist mein einziger Ratschlag, den ich dir in meinem Wahn schenken kann.

Ich mein, ehrlich: Ich habe niemals darum gebeten, diese Freakshow mit ansehen zu müssen! Irgendwer hat beschlossen: Ja, den schicken wir in dieses Zeitalter auf diesen Planeten in diese Dimension, wird scho passen, gö?

Ich will nicht undankbar erscheinen: Ich hänge sehr am Leben und fürchte den Tod. Aber dennoch: Wenn ich die Wahl gehabt hätte, in ein anderes Level dieses Videospiels hineingeboren zu werden, wär das auch vollkommen in Ordnung gewesen. Aber Mitspracherecht gibt’s keines.

Und ich wohlerzogener, verwöhnter Schnösel aus dem Neunzehnten erlaube mir die Frechheit, den Mund aufzumachen!

Was sollen all Jene nur sagen, die in Kriegsgebieten geboren werden? Jene, die hungern? Jene, die tatsächlich leiden?

Das ist dann der Punkt, an dem wirklich ALLES keinen Sinn mehr macht, denn nicht einmal jammern darf man!

Was darf man denn überhaupt noch? *lacht*

Ehrlich, meine letzte Stütze, sind mein Gitarre und das Mikro, in das ich hinein singe, als wollte ich es verspeisen.

Was sagst du? Fühlst du dich von mir verstanden? Oder geht dir mein pseudointellektuelles Revoluzzergehabe schon auf die Nerven?

Es spielt ohnehin keine Rolle.

Dieser Blog ist mein letztes verzweifeltes Aufbäumen, Menschen, denen es ähnlich furchtbar geht – hauptsächlich Künstlern – irgendwie zu helfen. Nicht etwa mit Weisheiten, den die habe ich nicht. Aber zumindest mit einem wissenden Lächeln, das verspricht: Ich verstehe dich. Und du bist nicht allein.

Wir sind Prediger in einem gottlosen Land.

Wir sitzen am Tresen und trinken und hinter uns geht die Welt zugrunde. Mit tosendem Applaus.

Einsam und mit Tränen in den Augen blickte ich vorletzte Nacht also gen Äther und sang leise zu „Paradise City“ mit. Weder meine zuckersüße Partnerin, noch der Bottich Whisky, den ich in mich schüttete, schafften es, mich in irgendeiner Form zu retten. Nicht einmal der komatöse Schlaf konnte mich heilen.

Ich erwachte mit Tränen in den Augen und dachte mir: Das macht alles keinen Sinn.

Aber wisse, lieber Leser: Es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Und davon bin ich verdammt nochmal überzeugt, selbst wenn ich der Verzweiflung oftmals sehr nahe bin.

Fürchte dich nicht.

Fürchte keine Dunkelheit.

Denn wo Dunkelheit herrscht, dort ist auch Licht.

Vertrau mir. Selbst nun – in der dunkelsten Stunde – glaube ich daran. Und ich möchte dir Hoffnung schenken, sollte es dir zwischendurch auch furchtbar gehen.

Zu leben heißt zu leiden, doch zu leben bedeutet auch zu lieben.

Und wie ein guter Freund von mir neulich sagte: „Mehr als nett sein zu meinen Mitmenschen, kann ich nicht tun.“

In diesem Sinne: Lass uns Licht verbreiten. Lass uns Fremde anlächeln. Lass uns feste, aufrichtige Handshakes geben. Lass uns tief in die Augen unserer Brüder und Schwestern blicken und ihnen das Gefühl geben: Wir sind füreinander da.

Gemeinsam machen wir diese Welt zu einem besseren Ort. Und weder das siebenmäulige Ungeheuer namens Fanatismus, Nationalismus, Kapitalismus, Unachtsamkeit, Respektlosigkeit und Eifer noch die inneren Dämonen werden uns aufhalten.

Gemeinsam machen wir diese Welt zu einem besseren Ort.

Ich für mein Teil habe keine andere Aufgabe hier. Dies ist mein einzig‘ Bestreben.

Lass es uns zusammen tun.

 

(Jannis Raptis, „Ansichten eines Troubadours“ Blog 2017, www.jannisraptis.com)

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